Hallo ihr Lieben
Ich denke es wird Zeit, dass ich euch von meinen neusten Erlebnissen in EUSKAL HERRIA (baskisch für: Baskenland) erzähle! Nachdem ich letztes Wochenende eine fantastische Zeit mit meinem Tandem (=wenn sich zwei sprachtalentierte Leute treffen um sich jeweils eine Weile in der Sprache des Anderen zu unterhalten und so zu lernen) Aizea (baskischer Name - schön oder?) verbracht habe, möchte ich das Euskal Herria nochmal betonen. Sie und ihre Familie fühlen sich nämlich zuallererst als Basken und dann als Europäer - Spanien kommt in der Gleichung nicht vor.
Ach ja - es war traumhaft. Endlich konnte ich meine Nase mal ins "Leben" der Basken stecken...
Ihre Familie hat eine Whg in Vittoria und ein Haus im Dorf - das haben hier aber wohl recht viele - keine Zeichen für außerordentlichen Reichtum! Viele Leute kommen vom Land und wohnen nur unter der Woche der Arbeit wegen in der Stadt!
Wir sind also quasi gleich nach meiner Ankunft nach Manurga in das 30-Seelen-Dorf gefahren. Also - "hello" - 30!! Wenn das nicht schonmal cool ist! Da war an dem Wochenende gerade Dorf-fiesta - welch ein Glück! Da wurde dann groß im alten Schulgebäude (mittlerweile gibt es dort keine Schule mehr) gegessen. Dass es groß wird wusste ich vorher leider nicht. Ich dachte, "was kann sich so ein Dorf schon leisten" und nahm an, dass die Spargel (ausm Glas) mit Mayonnaise, der Serrano-Schinken und die Leberpastete mit frischem Baguette alles sind. Pustekuchen! Das war die erste Vorspeise! Als zweites kamen dann Kroketten (was in Spanien kleine frittierte Bälle mit zäher Bechamelsauce drinnen und beliebigen Füllungen sind), und frittierte Scampi. Als drittes folgten gefüllte Paprika - diese allerdings abgezählt - pro Person nur eine. DANN kam der erste Hauptgang - Fisch. Dann der zweite Hauptgang: Fleisch. Spanier (oder sollte ich Basken sagen?) haben als Hauptnebenlage Baguette. Dann gab es zwei Desserts zum aussuchen: Prosecco-Zitronen-Sorbet oder so ne Sahne-Pudding-Kaffegetränkter-Biskuit-Angelegenheit. Aizea und ich haben Halbe-Halbe gemacht. Dann denk ich, ich bin durch mit der Sache - aber die Servierer kommen noch zweimal vorbeigeschneit - zuerst mit Kaffe und heißer Milch dann mit Likören. Allerdings ist dazuzusagen: Aizeas Eltern haben vorher die Personenzahl angegeben und jeder hat sein Essen bezahlt. Nachdem wir also von 3-5.30h gegessen haben sind wir zurück zum Haus (lasst mich nachrechnen - ähmmm -ca. 3 min Fußweg). Dann haben wir einen Spaziergang - leider schon im Dunkeln - in der traumhaften Umgebung gemacht. Also ich habe die 2 Tage nicht aufgehört meine Begeisterung kund zu tun... Vielleicht liegt es auch an meinem Bilbao-Natur-Defizit - aber die Berge - es war einfach alles wunderschön. Nach dem Spaziergang sind wir wieder zur Fiesta - da wurde dann mittlerweie bei offener Tür in eisiger Kälte zu einer bunten Leuchtkugel und spanischen Schlagern getanzt, oder Karaoke gesungen und getanzt. Ich (nach ein bisschen Eingewöhnungszeit) in meiner Kulturoffenheit natürlich mittendrin. Um 10 wurde dann Musik ausgemacht - Pause sollt bis 12h gehen - zum ABENDESSEN! Aizea und ich also brav nach Hause zum Abendessen. Eigentlich wollte ich ja nix - außer dem frischen Tomatensalat - aber Elsa (die Ma) hat was von Tortilla gesagt - und ich muss hier doch UNBEDINGT mal eine selbstgemachte, frische, echt spanische Tortilla gegessen haben. Wir saßen also zu dritt in der warmen Küche und haben usn unterhalten, und ich habe ausführlich erzählt bekommen, wie die Tortilla gemacht wird (wollte ich natürlich wissen - zum zu Hause kochen), und die Mutter hat sich beim machen Zeit gelassen - hatte ja sowieso keiner Hunger. Irgendwie war ich dann vom ganzen spanischsprechen völlig geplättet und es war schon halb 1 - also sind wir ins Bett. (Große Sorge dass ich frieren könnte - Manurga das Dorf liegt nämlich 600-700 Meter hoch, im Gegensatz zu Bilbao (ca. bei 0 Meter), also habe ich unter 7 statt den vorgesehenen 3 Wolldecken geschlafen). Am nächsten Morgen habe ich den einen Fensterladen dann nur kurz mal aufgemacht - mehr von der strahlenden Helligkeit war nicht zu ertragen (Nebel plus Rauhreif plus strahlende Sonne = überirdisch helles Weiß). Nach dem Frühstück haben wir der Mutter dann beim Eier füllen geholfen - für den zweiten religöseren Teil der Dorffiesta. Danach haben wir dann endlich einen schönen Spaziergang bei Sonnenlicht gemacht und sind mit ordentlichem Hunger wiedergekommen.
Was soll ich sagen? War ja Sonntag - Familienessen - da hat die Mutter mal ein wenig gekocht. Erste Vorspeise: Tomatensalat, Eisbergsalat, besagte gefüllte Eier, Spargel mit Mayo, Chorizo-Fleisch, Tintenfischringe. Zweite Vorspeise: Kichererbsen, klare Brühe und Weißkohl (dieser Teil war alles nicht so toll). Dann: Irgendein dünnes Filet (Rind oder Kalb) mit ordentlich Knoblauch (für alle die es noch nicht wissen: Knoblauch ist der spanische Pfeffer - überall wo wir Pfeffer drantun ist bei denen Knobi dabei. Und zwar RICHTIG!) und fantastischen (!) selbst in Olivenöl frittierten Kartoffeln (Pommes). Dann Magnumeis und dann Kaffee und Törtchen und für den der will, Likör.
Also die Basken wissen wie man isst! Die Familie meinte aber auch, dass das zum Beispiel im Süden Spaniens ganz anders wär - das läge halt an der Kälte - essen macht ja warm. Währenddessen haben wir uns ganz großartig über Land und Leute unterhalten und dann war es halb 6 und wir haben uns zu meinem Bus aufgemacht. Und ich glaube ich habe viel, viel gelernt. Unter anderem das spanische Wort für Karrotte: Zanahoria!
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