15.03.2009
Das Essen ist ja lecker – aber was trinken die Indonesier süß!!! Und sowohl beim Eistee (gesüßter kalter schwarzer Tee) als auch beim Kaffee, ist das, was ich als sehr süß empfinde, für die Indonesier noch gar nichts. Den Tee mag ich so echt gar nicht trinken, und beim Kaffee geht es, aber nur, weil ich auch in D ja nicht gerne Kaffee sondern Milchkaffee, Latte Macchiato, etc. trinke, also auch eher süß…
Und das mit dem fröhlich Essen ausprobieren muss ich jetzt einschränken – ich hatte nämlich nun doch meine erste fürchterliche Durchfallerkrankung mit schrecklichen Magenkrämpfen, Schwäche, Kälte, Fieber, etc… Ich bin dann gleich ins Krankenhaus, weil mir klar war, dass das nicht ohne Medikamente besser wird, und bin mit 4erlei Tabletten nach Hause gekommen. Am nächsten Tag wars schon weg – bloß die Antibiotika nehme ich noch – die soll man ja immer aufbrauchen (falls irgendjemand Bewandertes mir sagen möchte wozu ich bloß Antibiotika bei einer solchen Erkrankung brauche, nur zu!). Dafür hält meine parallele Erkältung leider länger an.
Und noch eine lustige Beobachtung: hier lachen die Mädchen häufig über meine kleinen Scherze. Ich bin aber der Meinung, dass ich diese Art Scherze eigentlich auch in Deutsch mache – es lacht bloß keiner. Eine sehr lustige Feststellung für mich. Hier gibt’s große Heiterkeit, wenn ich (während wir im Krankenhaus warten und ich wirklich leide) sage ich werde sterben. Oder wenn wir bei Regen rausmüssen und natürlich den Regenschirm vergessen haben und ich vorschlage Plastiktüten über den Kopf zu ziehen, und zwei Augenlöcher reinzuschneiden. Oder einfach Dinge ein bisschen übertrieben darstelle. Schade – irgendwie wollen mir keine Beispiele einfallen, die ich in Deutsch genauso gesagt hätte wie hier auf Englisch.
Mit der Arbeit ist es jetzt soweit geklärt, dass ich theoretisch Mo, Mi und Fr, jeweils von 1-4 in dem christlichen Waisenhaus Dana Mulia arbeite, und von 4-6 an meinem Original-Arbeitsplatz Muhammadyah-orphanage. Di bin ich dann nur in Dana Mulia und Do nur in Muhammadyah – jeweils 3 bzw. 2 h. Das Problem ist bloß, dass der Weg im Angkot, zwischen beiden Waisenhäusern 1 Stunde dauert. Und ich bin nicht bereit, für die 5h Arbeit, die sich durch die Fahrzeit auf 4 reduzieren, insgesamt 2 h zu fahren (jeweils hin und zurück noch 30min). Jetzt werden wir testen, wie es ist, wenn mich die AIESECER immer mit dem Motorrad oder Auto bringen. Allerdings bin ich von der indonesischen Verlässlichkeit nicht sehr überzeugt, zumal Regen ein Grund für ne Absage ist, im Motorrad-Fall. Ich habe gerade eine sehr lange Nachricht an die zwei Verantwortlichen geschrieben, dass ich ihr Angebot gerne annehme, mit Ausnahme der Tage, an denen sie mich im Angkot begleiten wollen. Keine Ahnung ob man den Waisenhäusern aufschwatzen kann, sich drauf einzustellen, dass ich bei Regen häufiger nicht komme, oder ob ich mir hier in meiner Umgebung einfach selber um Arbeit kümmer, aber diese Jobsache ist echt frustrierend. Die denken, ich erwarte voll viel, und ich denke „klar ist es super-nervig mich ständig irgendwo hinzukutschieren – aber ich selber wäre nie in einem solchen Dilemma, weil die Praktika die ich besorgen würde genau SO wären, wie ich sie beschreibe“… Ich erwarte ja nicht, dass sie mich fahren, ich erwarte bloß irgendeinen Job, der dem, weswegen ich hergekommen bin entfernt ähnlich ist, und der prozentual mehr als die Hälfte der Zeit wirkliche Arbeit und Lernerfahrung bedeutet, und nicht Fahrzeit.
Achja, Denish findet ich sei „pretty --– for a foreigner“. Praktisch, dass die Menschen da so unterschiedliche Schönheitsvorstellungen haben. Sonst gäbe es ja für wahnsinnig viele Menschen keine Partner (quasi alle die ich okay finde, findet Denish inakzeptabel und andersherum).
Viele Grüße in das geliebte, verantwortungsbewusste, verlässliche Deutschland!!
PS: Es ist jedes Mal wieder die gleiche und jedes Mal wieder eine unerwartete Erfahrung oder "Begleiterscheinung", dass ich so fürchterbar oder wunderbar deutsch bin. Wenn ich ins Ausland gehe, dann denke ich an die fremde Kultur, an neue Erfahrungen, an alles, bloß nicht daran, auch Deutschland jeses Mal mehr schätzen und lieben zu lernen. Man merkt halt immer erst was man hat, wenn man es verliert (oder zeitweise nicht mehr hat). Und während ich an mir arbeite, mich für andere Kulturen zu öffnen, noch toleranter zu werden und NICHT zu beurteilen, werde ich auch gleichzeitig immer gefestigter in meinen eigenen (doch recht deutschen) Werten. Ich finde dennoch, dass das ne 'gute' Begleiterscheinung ist! Schließlich: wer fesst verwurzelt ist, kann auch nach den Sternen greifen!
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