25.03.2009, Abends
Oh Gott, oh Gott, oh Gott. Ich weiß ich wiederhole mich hier (siehe erster Eintrag) aber anders kann ich es einfach nicht ausdrücken. Bin noch völlig aufgewühlt und bringe es jetzt, noch ganz akut zu Papier.
Wo soll ich anfangen? ‚Ich werde nie wieder sauber‘? Oder ‚ne Kakerlake saß auf meinem Fuß‘ (ich hab ja kein Theater ob des Wassers und des Drecks gemacht, oder als ich ne Kakerlake gesehen habe, aber als dann später eine auf meinem Fuß krabbelte, da hab ich doch ein bisschen geschrieen!)? Oder ‚ich hab grad ne kleine Flut erlebt‘?
Es war wirklich wie in den Nachrichten von Tsunamis und Überschwemmungen – braune Fluten im Haus, saudreckig, alles schwimmt, Lichter gehen aus wegen Stromausfall!! Ich dachte schon ich muss da übernachten, auf der Straße vorm Waisenhaus stand das Wasser bestimmt brusthoch wenn nicht höher (habs ja nicht getestet) zum Glück geht’s zum Waisenhaus drei/vier größere Stufen hinauf. Dennoch ist deren Erdgeschoß auch ca. 25cm hoch überflutet worden. Hatte echt n bisschen Panik, dass ich da jetzt nen ganzen Tag oder so festsitze. Ohne Essen, ohne Zahnbürste, ohne Schlafzeug, ohne irgendwas. Und natürlich musste ich nach ner Weile dringendst auf Toilette. Die war aber überschwemmt. Ob ich nun in die Toilette mache oder mich irgendwo im Erdgeschoß hinhock und ins Wasser uriniere hätte auch keinen Unterschied gemacht. Bin dann aber irgendwann doch los, um den einzigen Erwachsenen der ein bisschen Englisch mit mir sprechen kann anzusprechen. Der hat mich zuerst mit n paar Mädels losgeschickt. Zu dem Zeitpunkt und an dem Ort war das Wasser ca. knöchelhoch. Als dann der Zugang durch nen Tisch blockiert war (es war ja auch alles glitschig und schon ziemlich dunkel, besonders im Haus) sind sie erstmal zurück um Danny zu holen. Der hat uns dann begleitet und wir sind letztendlich natürlich stumpf auf den Tisch drauf – viel andere Optionen gabs ja auch nicht. Offensichtlich war das Wasser zu dem Zeitpunkt schon wieder am sinken, denn als wir bei den Toiletten ankamen, stand in der größeren das Wasser nurmehr 3-4cm, das heißt das Klo ragte weitere 3-4 cm aus dem Wasser heraus. Ich habe mir irgendwie mit dem Handy geleuchtet.
Bald danach war das Wasser schon so weit weg, dass sie anfingen das Wasser und den gesamten Schlamm rauszufegen, auch wenn es immernoch die Straße brusthoch füllte und auch die Stufen zum Waisenhaus hinauf. Die armen Menschen haben sich mehrfach bei mir entschuldigt, als hätten sie höchstpersönlich den Fluss in der Nähe zum überlaufen gebracht. Son Kram ist offensichtlich das letzte Mal vor einem Jahr passiert. Und es scheint auch nur wenige Häuser betroffen zu haben. Bandung ist ja recht hügelig, liegt selber ja auch sehr hoch und als wir endlich raus konnten sind wir bloß 20m die Straße entlang, die an sich schon ordentlich ansteigt, und auf der breiteren Querstraße wo deren Auto geparkt war, war kein Hauch Schlamm zu finden. Es kann echt nur ne kleine Fläche betroffen gewesen sein. Als ich nach Hause kam wurde ich mit großen Augen begrüßt, was mit meinen Füßen passiert sei.
Ich hab übrigens das Bild von Deutschland und den Deutschen in den Herzen von ca. 30-40 Menschen unglaublich zum Positiven verändert, durch meine fleißige Mithilfe. Ich finde damit hab ich ganz schön was geleistet! Hoffentlich mehr, als manch anderer Deutsche im Urlaub verbrochen hat. Dummerweise hatte ich meine Kamera natürlich nicht dabei. Muss mal sehen ob man irgendwas auf den Handyfotos erkennen kann.
Als das Wasser komplett weg war (nach ca. 2 h) mussten wir dann die besagten 3 Stufen hinunter – die 20-30cm hoch mit Schlamm bedeckt waren. Aber da muss man dann halt durch.
Trotzdem könnt ihr vielleicht nachvollziehen, warum ich immernoch nicht ganz runtergekommen bin. Es ist jetzt 23h, um 22h bin ich nach Haus gekommen und um circa 17.45h haben die Mädels mich schon auf die Flut auf der Straße hingewiesen – da hab ich die Tragweite bloß überhaupt noch nicht erkannt. Ich hab so ungefähr gesagt 'wow – interessant' – und dann weiterunterrichtet. Grins.
Ich habe meine Beine und Füße dreimal eingeseift und auch sonst den ganzen Körper – dennoch fühle ich mich nicht sauber, und sowohl meine Finger- als auch Fußnägel sind es auch ganz offensichtlich nicht. Um den Dreck aus den Ritzen hervorzuholen muss ich entweder 30 min schrubben oder am besten 30 min im Bad einweichen. Aber Badewanne gibt’s ja bekanntlich nicht (wär ja auch krass – so ohne warmes Wasser). Ich guck jetzt erstmal nen Film und ess was Süßes um von meinem Ekel und Entsetzen loszukommen, und morgen schaun wir weiter.
Gute Nacht ins deutsche Paradies!
PS: Lese gerade meinen letzten Eintrag. Niedlich, dass ich das Wort "Überschwemmung" für die fetten Regenpfützen in meinem Zimmer und den komplett mit durchsichtigem Regenwasser überfluteten Küchen/Gemeinschaftsraum benutzt hab.
Have been put into perspective somehow. Wonder why?
PPS: Ich habe gerade meiner Lieblingsschülerin, und damit auch der einzigen, deren Handynummer ich hab, ne sms geschrieben, wie es ihr und den anderen Mädchen geht, ob sie okay sind und dass ich hoffe, dass nicht ihre wichtigsten Dinge nass und somit unbrauchbar geworden sind.
Hier ihre original Antwort: Yes thanks miss,i am ok but i feel sh0ck, and i feel upset because all my b0ok g0ne,,i d0n't kn0w what i must d0ing..Miss n0t yet sleep?Why?
Wenn euch dabei auch irgendwie das Herz bricht, schreibt mir, ob ihr ne klitzekleine Spende machen wollt. Ich stelle mir so mehrere Personen mit jeweils 2-5 Euro vor. Für 5,50 kann ich hier ein Englisch-Indonesisches Wörterbuch kaufen. Wenn mehrere so einen lächerlichen Betrag wie 3 Euro geben, kann ich hier bestimmt ganz konkret was für die Mädchen aus dem ärmeren Waisenhaus tun. Ich werde das Geld dann wenn ich wieder in D bin bei euch eintreiben ;)
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