Mittwoch 08. April 2009
Kurzes update
Ich fahre morgen früh um 8 Uhr mit Gary – dem Australier – und 12 Indonesiern nach Yogyakarta (die Nachtzüge sind leider schon ausgebucht, die Fahrt wird 8h dauern, für Sonntag gibt’s gar keine Züge mehr – weder tags noch nachts – denn an langen we’s verreist ganz Indonesien). Da sind zwei gaaanz tolle Tempel, ein buddhistischer und ein hinduistischer – die wollen wir uns angucken. Ich fange nämlich schon an hektisch zu werden, da mir das Ende meines Aufenthaltes schon so nahe scheint, und ich irgendwie noch nichts gesehen hab.
Versessen aufs Essen wie ich nunmal bin, hab ich auch schon ne Liste erstellt, was ich vorher alles (noch) einmal essen will ;)
Letzten Samstag war ich mit Denishs Familie beim weißen Vulkan. Das war ein toller Tag, auch wenn der Vulkan selber mal wieder eher so mittelmäßig spannend war. Aber es war eine sehr, sehr schöne Autofahrt, mit angenehm frischer, klarer, kühler Luft bei offenem Fenster, und traumhafter Natur. Siehe Bilder.
Dort wurde ich auch zum ersten Mal von Fremden gebeten, mich mit ihnen fotografieren zu lassen (ist mir in Beijing ja ständig passiert). Erst wollt ich nicht, aber dann taten sie mir doch so Leid, dass ich dachte ‚was solls‘. Blöderweise habe ich mich später mit Gary drüber unterhalten, was solche Leute wohl zu ihren Freunden sagen, wenn sie so ein Foto zeigen. Das hatte ich mir noch nicht so überlegt. Dabei hab ich mich derart unwohl gefühlt dass ich ganz verschämt-entsetzt lachen musste, und nun die nächsten Bittsteller wohl doch abkanzeln muss. (Was in den Menschen mit den Fotos vorgeht, weiß Denish übrigens auch nicht. Sie würde nie auf die Idee verfallen Fremde um ein Foto zu bitten. Komisch.)
Außerdem muss ich mir auch noch was einfallen lassen, um dem ganzen Händegeschüttel zu entgehen. Ständig will mir jeder die Hand schütteln, und ich empfinde die Hände nun einmal nicht als besonders sauber – das heißt ich wasche mir dann ebenfalls ständig die Hände. Auch wird mir beständig, überall, und all the time, „hello Miss“, „how are you, Miss“ und „where do you come from, Miss“ zugerufen. Manchmal wird mir das echt zu viel – ich kann doch nicht mit ganz Bandung reden! Na – zum Ausgleich höre ich wenigstens sehr häufig, wie wunderschön ich bin.
Dass ich, zwei Tage nach meinem letzten Eintrag, die Definition von „Flut“ noch einmal erweitern musste, wegen der Flut in Jakarta, brauche ich wohl nicht erwähnen. Eine interessante Erfahrung auch, wie unberührt die Menschen hier in Bandung sind, während ganz Deutschland Kopf stünde, wenn ein Teil Berlins überschwemmt wäre. Mal wieder lässt sich feststellen: "man gewöhnt sich an alles".
Lustig ists, wenn man sagt, „den Damm, der gebrochen ist, haben die Holländer gebaut“. Tatsache ist, dass die Indonesier ihn nicht ausgebessert haben SEIT die Holländer ich gebaut haben, aber das muss man ja nicht erwähnen ;)
Achja – und dann muss ich hier noch einmal öffentlich und hochoffiziell der Europäische Kommission meine Glückwünsche aussprechen. Wie konservativ auch immer sie sein mag – das mit der Werbung bekommt sie gut hin.
Ernsthaft: in meinem direkten Umfeld sind Denish und ihre Freunde, welche wiederum alle International-Relations-students sind, und alle an ein und demselben Field Trip zur Europäischen Kommission (Vertretung oder was auch immer) in Jakarta teilgenommen haben. Um mich herum schwirren ständig gelbe Rucksäcke mit den europäischen Sternen drauf, hier kleben Aufkleber der europäischen Flagge in Denish’s und Gilangs Zimmer, hier steht ein Kalender mit EU-Logo etc. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie merkwürdig es ist, am anderen Ende der Welt immer wieder auf die EU zu stoßen. Ich muss jedesmal grinsen, aber es ist auch ein gutes Gefühl, also: meinen Glückwunsch! Good job – commission!
Achja Nr. 2: ich hab endlich wenigstens EIN Foto von den Leuten geschossen, die hier immer mit ihren riesen Geräten, in denen sich in 95% der Fälle Essen befindet, die engsten Straßen auf- und abkraxeln um uns ihre Dienste direkt an der Haustür anzubieten. Meist hängen Töpfe und sonstwas an zwei Enden eines langen Stockes und der wird dann so bergauf und bergab getragen. Und wenn dann jemand etwas zu Essen kauft, dann warten sie draußen, bis man fertig ist, und ihnen ihr Geschirr wiedergibt. Und dann gehen sie weiter, manchmal monoton rufend, manchmal unangenehm scheppernd und klappernd um auf sich aufmerksam zu machen.
Jetzt muss ich ganz fürchterbar dringend ins Bett - das mit dem Schlaf kann schon gar nicht mehr reichen, bis morgen um 6.15h!!
Auf Bastiaan wirke ich offensichtlich sehr patriotisch, indem ich bisher immer 'nach Deutschland' oder ähnlich gegrüßt habe, also:
Viele liebe Grüße an euch, meine lieben Freunde, Verwandten und Bekannten!!
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