Samstag 25. April 2009
Da bin ich mal wieder – gut möglich das letze Mal aus Indonesien. Die letzte Woche war Abschiedsstress angesagt, und dabei hab ich doch noch nicht einmal von Yogya erzählt. Nun sitz ich allein in Bali und erhole mich, da habe ich natürlich prompt Zeit zu schreiben.
Bin heute Morgen um 5.15h endgültig aus Bandung abgefahren. Verbringe jetzt meine Zeit in Bali bis zum 30. abends, dann hab ich den 1. und den 2. In Jakarta mit Gary (mein temporärer bester Freund) und vielleicht Tatha und Sarah (Kandidatinnen für Freundschaft – aber ich geh ja schon wieder bevor ich sie wirklich kennenlernen kann, verflucht!) und am 3. abends um 19h geht’s los nach Deutschland.
Habe völlig unerwartet heute Morgen beim Abschied weinen müssen, dabei war nicht mal jemand da (bis auf Denish) um mich zu verabschieden, und die seh ich ja in Jakarta wieder. Habe bisher immer angenommen, dass mir an dem Land nicht besonders viel liegt, dass ich mich wahnsinnig auf unsere westliche Kultur freue, und dass jede mögliche Trauer sich direkt und spezifisch an Gary und Denish festmachen würde. Und dann weine ich heut morgen (nicht doll natürlich) weil ich mein Leben der letzten zwei Monate verlasse. Ein intensives Leben – einfach dadurch dass alles fremd war. Weil ich an leeren Abzweigungen vorbeifuhr und dachte, ‚hier hab ich mir immer Essen geholt‘. Und weil ich an Devi’s Haus vorbeifuhr und dachte ‚hier hat die Gute mich aufgenommen, auf herzlichste, ohne mich eigentlich zu kennen‘. Und weil ich an Cawit vorbeifuhr – einem Restaurant in dem ich die ersten langen coolen Gespräche mit Gary hatte, ohne jedoch eine Ahnung davon zu haben, dass ich ihn mal echt gern haben würde.
Ich habe selbstverständlich eine Zielliste, was ich im Praktikum erreichen wollte, und eines meiner Ziele war „Das Leben einiger Menschen zu berühren und einen bleibenden Eindruck hinterlassen“. Und ich bin voller Dankbarkeit, dass ich das geschafft habe. Die Kinder in Dana Mulia haben alle kleine Herzen und Sterne bemalt und ganz süß in Englisch beschriftet – hab ich leider grad nicht hier, werde ich euch in D aber vorlegen. Das staff von Dana Mulia hat sich auch mit einer Karte und einem Geschenk (einer schrecklichen Tasche) bei mir bedankt, ich solle weiterscheinen, es wären ‚fun‘ Methoden gewesen mit denen sie Englisch gelernt hätten, und so ähnlich. In Muhammadiayh (dem ärmeren Waisenhaus) hat mir nur meine Lieblingsschülerin einen Brief geschrieben, sie wünschte ich bliebe, ich wäre ihre beste Lehrerin, und so weiter. Als sie anfing zu weinen beim Abschied, musste ich zwar nicht sofort, aber mit Verzögerung auch weinen. Ich fühle mich so schuldig sie alle in diesem Alptraum zurückzulassen. Und gerade Didah, die mir auf so besondere Art und Weise ihr Herz geschenkt hat, würde ich gerne weiter unterstützen und mit Liebe und Aufmerksamkeit versorgen. Ich kann mir nicht denken, dass sie genug davon bekommt. Ich schreibe dies und mein Herz wird schon wieder schwer.
Naja – schlussendlich habe ich heute Morgen entdeckt, dass die höfliche Aussage auf sämtlich Fragen ich wolle auf jeden Fall wiederkommen, tatsächlich der Wahrheit entspricht. Bloß wird bis dahin wohl nix mehr sein wie es war. Meine Freunde beenden die Uni, die Mädchen im Waisenhaus und auch deren staff ist vermutlich nicht mehr da. Hoffen wir auf das Internet und facebook als Bindeglied!
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