Mittwoch, 3. Juni 2009

La città eterna

Mittwoch der 3. Juni 2009, Abends

Buona notte

Da bin ich mal wieder. Sitze gerade, mit Pizza vollgestopft, auf meinem vorübergehenden Bett. Heute ist mein 3. vollständiger Tag hier, und gerade war das dritte Mal, dass ich Pizza gegessen habe. Das ist ja nicht einmal bloße Erfüllung eines Klischees, das sind ja völlig neue Ausmaße eines solchen. Normalerweise gehe ich immer in neue Länder um Stereotypen und Vorurteile umzuschmeißen – nicht um sie in ungeahnte Höhen aufzubauschen. Verrückt ;)

Am ersten Abend kam ich um viertel vor 12 endlich am Hauptbahnhof Termini an, und wurde da dann glücklicherweise von Novella – meiner Bekannten aus Bilbao – abgeholt. Also es zeigt sich mal wieder: networking lohnt sich!! Es regnete, aber sie schlug dennoch vor ein Eis essen zu gehen, was, wie ich finde, der perfekte Anfang eines ordentlichen Italien-Aufenthaltes war. Nachts um 1 ein Eis im Stadtzentrum auf der Piazza Campo de Fiori – da wo der wichtige, wichtige Philosoph verbrannt wurde – der, der wusste, dass das Universum unendlich ist.

Den nächsten Tag verbrachte ich dann mit Novella und nahm einfach an ihrem Leben teil, statt mich touristisch zu verhalten. Also gabs morgens erstmal geilen Kaffee, dann lernten wir (sie für die Uni, ich italienisch) dann gingen wir bei ihren Eltern vorbei um dort Mittag zu essen. Was soll ich euch sagen? Ich habe nicht drum gebeten, es war ein echtes Familienessen – ohne Touri-glücklich-mach-Ambitionen, und es gab trotzdem Spaghetti Bolognese. Und Mozzarella und Brot und Prosciutto und Hackbällchen und Obst (ihr seht schon, das mit der guten Figur wenn ich nach Hause komm, das könnt ihr vergessen. Aber Exschatz kanns ja nun nicht mehr stören ;) ). Nachmittags versuchten wir dann mir n Metromonatsticket zu besorgen, was nirgendwo klappte und gingen danach ins Internet, wo ich viel organisatorisches erledigte, bis wir uns auf den Weg nach Hause machten und auch fast wieder zum Abendessen zu ihren Eltern. Da gabs dann Pizza – logisch. Manchmal erzähl ich Dinge die selbstredend sind – sorry dafür 

Am Tage darauf sind wir schön Cappuccino zum Frühstück trinken gegangen (ich hatte seit Reiseführerlektüre eh fest vor nur noch auf italienische Weise Kaffee zu trinken – also generell nur Caffé am Nachmittag, keinen Cappuccino), haben versucht mir mein Ticket zu besorgen was nirgends geklappt hat und gegen Mittag bin ich dann bei Patrizia, Thilo und Samuel eingezogen, wo ich nun noch 2 Nächte bleibe, bis ich am Fr hoffentlich in meine Whg kann. Mit Thilo bin ich dann erstmal mit, wieder in nen Tabakwarenladen, um dort wo er immer sein Monatsticket kauft nachzufragen – schon in der festen Annahme, dass auch die es nicht haben werden, wie so viele andere die es eigentlich hätten haben müssen vor ihnen – da haben die doch tatsächlich eins. Solche Dinge sind in Italien immer so – ewig klappts nicht, dann unverhofft doch und man weiß nie wann und wo.

Im Großen und Ganzen habe ich mein Augenmerk also eher auf Ankommen im Sinne eines Bewohners der Stadt (in der Rolle gefalle ich mir ja nun mal) gelegt, anstatt auf Besichtigung. Als ich dann gestern Abend zu einem Expatriots-in-Rome-Treffen mit dem Bus zum ersten Mal einfach so am Colosseum vorbeifuhr blieb mir doch kurz das Herz stehen. Wahnsinn dort zu sein, wo schon Jahrhunderte vorher Menschen waren. Wieviel Leben sind an genau dem Ort vorbeigehuscht – wie viele haben dort gelacht und geweint? Nicht, dass nicht wahrscheinlich auch an sehr vielen anderen Orten seit Jahrhunderten Menschen leben – aber hier ist es so klar erwiesen und ganz offensichtlich. Also Rom hat schon ein wahnsinns Flair. Kann nicht ganz verstehen, dass nicht jeder in ihren Bann gezogen wird. Rom ist nicht notwendigerweise schön, der Verkehr ist unerträglich, es ist laut, heiß , scheißteuer und noch viele negative Dinge von denen ich noch gar nix weiß (siehe zukünftige Einträge) aber es ist la città eterna. Und ich werde Teil dieser Stadt. Ich werde an den Milliarden von wunderschönen und antiken Bauwerken und Bauresten vorbeikommen – ständig und immer wieder, wenn ich nur losgehe ein paar Leute zu treffen. Es ist warm und es gibt mediterrane, laue Sommernächte mit Colosseen im Hintergrund, riesigen Triumphbögen, Gebäuden, Kirchen und Plätzen, Osterien und Ristorante mit Kerzen auf den Tischen in holperigen kleinen Steinstraßen und allen paar Meter Eisdielen mit riesen Auswahl und wahnsinns Geschmack. Ohoh – ich gerate ins Schwärmen. Kann mein eigenes Leben in den nächsten Tagen gar nicht abwarten.

Und die Sprache!! Mammamia. Wieso hat mir eigentlich keiner gesagt, dass ich sie liebe? Das muss man doch vorher wissen! Gestern hat mich Mauro nach Hause gefahren und ich hab irgendwas auf Italienisch gesagt (offensichtlich richtig) und er meinte „Perfetto“. Ohoh – wenn ich schon die Aussprache dieses Wortes höre – ich wünschte ich wäre perfetto. Naja – mal schauen was ich so schaff mir anzueignen…

So – und jetzt reichts erstmal, ich wollte eigentlich noch italienisch lernen, ein paar mails schreiben, Kontakte pflegen, evtl. mal Zeit für meine BA-Arbeit oder zum Lesen haben und unbedingt Eis essen gehen. Es ist jetzt 23.20h und ich hatte gestern schon nicht genug Schlaf – das wird also alles wieder nix, aber das Eis muss sein. Ich würd nicht direkt sagen dass Tag Nr. 2, an dem ich kein Eis hatte deswegen ein verlorener Tag war (es gab ja Spaghetti und Pizza) – aber nochmal geschehen lassen will ich sowas nicht!

Alles, alles Liebe

Elisa


PS: Komisch – ich nahm irgendwie nicht an, dass es hier viel zu erzählen geben würde. Nach Indonesien nimmt sich doch alles blass aus, dachte ich. Aber irgendwie gibt’s ja dann doch einiges…