Freitag, 23. Oktober 2009

Alltag stellt sich ein und das Studium der Internationalen Konflikte beginnt...

Hallo ihr Lieben

Ich weiß - ich muss mich mal dringend wieder melden. Aber das Leben hat mich schon gepackt und in seinen Strudeln und das ist ja auch irgendwie sehr schön.
Und nun ist Freitag Abend, das heißt das we steht an - ohne Besuch mal - und ich werd ein bisschen Zeit haben. Freu mich schon.

Und heut Abend war ich mit Safia (meiner lieben Mitbewohnerin) im Gourmet Burger Kitchen - sie hatte nen Rabattgutschein. Und dann stand Ben & Jerry's auf der Karte und ich sagte 'ohhhhh' und sie meinte wir könnten uns ja nachher nen richtigen Topf kaufen und zu Hause bei friends essen. Und dann sind wir in den Waitrose - nur um mal zu schauen wie teuer es da ist - und mich traf fast der Schlag: 2 Stück für 4 Pfund. Ich wollte gleich 2 nur für mich kaufen - aber Safia meinte sie würden nicht passen - womit sie wohl Recht hat. Aber vor Beginn November geh ich nochmal hin... Also, stellt euch darauf ein, wenn wir uns wiedersehen bin ich ne Kugel :)
Besonders lustig war das Angebot sowieso, der normale Preis ist nämlcih 3,99 für eins - und dann daneben das Angebotsschild 2 Stück für 4 Pfund. Kicher. Da spar ich doch lieber den einen Penny und nehme bloß eins. Logisch.

Also. Wo fange ich an?
Vielleicht so: das Studium hat angefangen und es ist fantastisch. Dass es fantastisch ist, liegt meiner Meinung nach am King's College, daran dass mein Studiengang sehr gut passt, aber auch vorrangig an meiner Einstellung. Hoffe, dass ich mir Selbige das ganze Jahr durch erhalten kann - aber erstmal gehe ich davon aus, ich bin ja realistisch ;)

Wieso ist das King's toll?
Das King's ist ja sehr prestigeträchtig, sehr alt, sehr anspruchsvoll, sehr groß und sehr multikulturell. Das King's nimmt von überall die Besten. Und irgendwie macht dieses aristokratische Flair (Demokratie wird meiner neuen Meinung nach ja hoffnungslos überbewertet ;) ), dieses Gefühl von 'wir waren schon ewig da - wir formen die Gesellschaft - wir wollen nur das Beste und die Besten' auch einen Teil meiner Arbeitsbereitschaft aus - ehrgeizig wie ich bin.

Allein das Arbeitsgefühl in dieser Bibliothek ist ein ganz anderes, ach, was sag ich, ich fang ja völlig falsch an: allein das Gefühl sich auf den Weg in die Bibliothek zu machen ist schon ein anderes. Ihr müsst mal Fotos schauen - ein bisschen ne Kombination aus Märchen und Harry Potter und so - wie man sich das bei alten, wichtigen Unis vorstellt. Und demnächst - wenn meine Kamera wieder funktioniert, mache ich auch Fotos drinnen - von der ehemaligen Kapelle und vom Circular Reading Room. Den liebe ich, den Raum. Groß, rund, mit rundem Glasdach, über drei Ebenen, Bücher an den Wänden bis ganz nach oben, schmiedeeiesernen Emporen- und Galleriengeländern, Holztische und kleine Glaslampenschirme überall. Wenn ich da mal von meinen Texten aufschaue, dann freu ich mich...
Als ich den Raum gesehen hab dachte ich mir (natürlich im Spaß): da haben sich die Tausende an Studiengebühren doch gelohnt!

Und ansonsten bietet das King's auch noch ne ganze Menge an anderen Dingen. Veranstaltungen, Diskussionsrunden usw.
Ich war schon bei einer Veranstaltung mit dem schönen Titel "Way More Powerful than Pacifism - How Insider Peacebuilders Prevent Killing" und gerade erst bei "Talking with Terrorists - The Northern Ireland experience & its contemporary relevance". Der Hammer! Da waren Brendan Duddy and Michael Oatley, zwei Männer die ein enormes politisches wie persönliches Risiko eingingen, als sie den geheimen backchannel zwischen der IRA und dem Britischen Geheimdienst aufbauten und dadurch die Waffenstillstände sowie das Belfast Agreement ermöglichten. Und das, während die Gewalt eine Atmosphäre geschaffen hatte, in der es in der Öffentlichkeit undenkbar war mit Terroristen zu verhandeln. Ich weiß nicht - ich könnte zwar versuchen rüberzubringen was sie für diese Welt getan haben, aber es würde sehr lange dauern. Wen es wirklich interessiert, der schaut sich Peter Taylor’s BBC Dokumentation ‘The Secret Peacemaker’ an. Sehr bewegend. Und ansonsten lasst euch gesagt sein: Duddy hat definitiv und merkbar für viele, viele Menschen diese Welt einen besseren Ort gemacht. Und sein Beitrag ist noch jetzt spürbar und wird es auch noch ein paar Jahrhunderte sein.
Und, achja, ich hab mit ihm gesprochen :)
Nach der Veranstaltung gabs nen Empfang - und da hab ich ein, zwei Fragen gestellt.

Achja - mal was ganz anderes: Liebe Tanja, liebe Eliane - es tut mir Leid dass ich euch hab den ewig langen Beitrag lesen lassen, warum London toll ist. Mittlerweile kann ich das alles in einem Satz zusammenfassen denn es gibt ein totschlag Argument für London: London hat vier IKEAs. Vier!
;)

Und ansonsten ist das Leben immer wieder mal spaßig.
Hatte bspw. ne Tour durch St. Pauls, und die gute Dame gab einem das Gefühl wieder zur Schule zu gehen. Wissend, dass sie ne Gruppe reiner King's Studenten vor sich hat, trug sie Dinge vor wie "(...) a man you may have heard of, Eisenhower, (...)" und ähnliches. Mannomann.
Und was dann noch ganz nett war, ist dass stündlich im St. Pauls alle Besucher gebeten werden ein paar Minuten innezuhalten damit gebetet werden kann. Für alle Menschen und besonders diejenigen die hungern und leiden. Und als wir da waren auch für die King's College Studenten. Und, nein - sie nehmen sich nicht jede Stunde ein anderes der x Londoner Colleges vor und beten genau für deren Studenten, also war es schon ein bisschen besonders.

So - und nun hab ich zwar noch drei Themen auf meiner Liste, die ich eigentlich ansprechen wollte, aber ich bin müde und der Text ist schon lang und die Fotos wollt ich auch noch untertiteln, und...

Also schicke ich einfach die besten Wünsche und Grüße ins Deutsche Land!

Sonntag, 20. September 2009

Juhu, juhu, juhu und ein Ode an London

Juhu, juhu, juhu


Wo soll ich anfangen?

Das Leben ist schön, London ist großartig und es gibt so vieeeeele tolle Menschen!!
a) ich habe schon das erste mal Post an meine neue Adresse in den Digby Crescent bekommen. Geil was?
und
b) ich ha jetzt meine Student Oyster Card. Juhu, juhu, juhu. Das ist Schritt 2 auf der ich werd ne echte Londonerin Skala. Weil da kommen Touris nun mal einfach nicht dran – unter keinen Umständen. Hab ich schon juhu gesagt??

Und ansonsten war das we auch cool. Das gesamte U-Bahnnetz war flachgelegt (naja – zumindest in Ausschnitten) aber die Central, die Circle und die Victoria Line fuhren alle ganz. Das war prima, denn das sind zurzeit meine Bahnen.

London wird nach und nach und Stück, für Stück erobert. Ein langwieriger Prozess bei einer Traumstadt wie London, heute bin ich zum ersten Mal bei Highbury und Islington raus – das hab ich nun also auch gemacht. Das ist nämlich das Ziel: Einen groben Eindruck von ungefähr überall in Zentral-London zu bekommen – also bestenfalls Zonen eins bis zwei.
Und dabei ist mir nochmal aufgefallen, dass meine zukünftige WG auch prima liegt, quasi so prima wie die Whg in Holloway – nämlich auch bloß 2 Stationen mit der Victoria bis King’s Cross. Das weiß ich zwar mittlerweile schon länger, aber es fiel mir erst nach dem letzten Blogeintrag auf. Keine Ahnung wie mir das so lange entgehen konnte.

Das Leben ist toll und heute habe ich mich mit Leonie und Philip (my future flatmates) getroffen und ne superschöne Bar/Restaurant-Angelegenheit kennengelernt und mich mal wieder prima mit denen unterhalten – und das Leben ist schön. Und dann eben unproblematisch nach Haus trotz we, weil ‚meine‘ Linien ja grad fahren ;) und dann schon ne sms bekommen ich möge mich melden ob ich sicher im Hostel angekommen sei. Sowas süßes! And already there are poeple who care about me. Wieder n Juhuanlass.

Also es läuft grad.
Außerdem gibt es noch Kate. Kate hat eine Liste mit 102 Dingen, die sie in diesem Jahr in London/England machen will. Wenn ich da meine Dinge die ich unbedingt erleben und entdecken muss dranhäng, dann sehe ich gerade sehr schwarz mit dem Wiederkommen.

Und das ist ne prima Überleitung, denn ich muss ja noch darlegen wieso ich (für mich offensichtlich) besser nach London passe, als nach Rom. Jetzt gab es dazu nämlich schon zwei Anfragen, es scheint also nicht jedem so klar zu Tage zu treten... Ich versuch das mal, ist nämlich gar nicht so leicht das in Worte zu fassen. Es ist ein Zusammenspiel aus gaaanz vielen Faktoren.

Also vorrangig und zuallererst Londons Diversität. Rom ist toll aber nicht divers. Nicht in dem Ausmaß. Und wie die liebe Tanja festgestellt hat, bin ich vielschichtig in quasi unbegrenztem Umfang. Das heißt London reizt mich deswegen schon wesentlich mehr und bildet mich auch besser ab als Rom.
Das gilt auch für die Menschen in London. Unglaublich international und multikulturell. Halt das, wo ich auflebe und anfange zu sprudeln. In Rom gabs die Expats und das war ne Flirtbörse. Da muss ich jetzt im Rückblick grad mal milde lächeln.
Außerdem bin ich eher so der nordische Typ. Ich bin blond, ich bin blass und ich hab immer AUCH den Herbst und den Winter geliebt. Ich steh auch auf nördlichere Männer, nicht auf Italiener. Und London ist voller schöner Männer, während Rom mal extremst arm war was das betrifft. Nicht, dass ich nicht auch südlich wäre – klar ein bisschen schon – aber für den Urlaub.
Ich bin Rom ja eher skeptisch gegenübergetreten. Meine Begeisterung kam erst mit ner Weile. Rom ist auch wunderschön. Und ich kann mir immernoch vorstellen da ne Weile zu leben. Wer will nicht mal ne Weile (sagen wir 1 bis höchstens 5 Jahre) im Paradies leben? Im Urlaubsparadies. Aber das hat nichts mit meinem echten Leben, meiner echten Essenz zu tun. In London könnte ich (zumindest momentan) ganze Ausschnitte meines Lebens oder eben mein Leben selber verbringen. Das ist n ganz anderes Kaliber. Und diese zeitl. Einschränkung was den Aufenthalt in Rom betrifft, die habe ich bspw. schon immer gemacht. Keine große Überraschung there…
Klar, in Rom durch Trastevere zu schlendern, abends, bei lauer Sommerluft, mit Eis in der Hand, Hammerpizza, Rotwein, Romantik, Musik, alte schmiedeeiserne Straßenlaternen – voll schön. Aber auf Dauer passe ich halt besser an den Ort, an dem schon jetzt soooo viel los war, und ich soooo viel verpasst hab an Dingen die ich gern gemacht hätte, dass ich in meinem Unwillen tolle Dinge zu verpassen eigentlich schon ganz gefrustet sein müsste. Ich hab das Thames Festival verpasst, das Konzert mit den Abba-Männern, das Mando Diao Konzert und das Whip Konzert zu denen Judith gegangen ist. Ich hab Open House verpasst – das ist nur einmal im Jahr – arks. Und ganz viele open air Filmvorstellungen im Amphitheater. Und es gibt soooo viel. Auch für euch alle. Bspw. kommt ne Ausstellung in die National Portrait Gallery ‚gay icons‘ – na – wär das nix? Ohjeohje – es gibt also wirklich mehr als genug zu tun. Ich bin heute genau 2 Wochen hier und die Anzahl der Dinge, die ich verpasst hab, übersteigt die Anzahl derer, die ich gemacht hab, schon bei weitem. Das ist extremst stimulierend, denn andernorts gäbe es einfach nicht so viel, das ich so viel verpassen könnte. Es war ja die letzten Tage wahrlich nicht so, als wäre ich zu Hause im Bett geblieben...
Römerinnen sind schön angezogen – echte Damen, oft zu viel Make Up und zu viel Silikon und zu sehr wackelige Barbiepuppe. Sich davon inspirieren zu lassen macht Spaß. Aber, again: in London in Style einzutauchen ist ne andere Welt. Weils eben viele Welten sind. Ach, was sag ich: Universen! Und ich bin ja gar nicht son Shopaholic wie manch einer. Aber hier geh ich nur durch die Straßen und STÄNDIG sehe ich Teile die ich UNBEDINGT will. Sowas hab ich in DEU ab und an mal und nicht täglich. Gut – nun geh ich zur Zeit auch noch tgl. raus und in DEU nicht – aber keine Ahnung wann London sich, was das betrifft, mal erschöpft. Noch ist es nicht abzusehen. Ich leg ja grad erst los mit dem Entdecken der Stadtteile. Mal sehen, maybe I’ll talk differently after two months, maybe I’ll feel like I know major chunks of the city by then. But I doubt it.

In Rom hab ich noch wichtige Dinge nicht gemacht die ich unbedingt noch machen möchte. Die Anzahl dieser Dinge schätze ich übern Daumen auf so höchstens 20-30. Und dann halt schöne Klassiker immer und immer wieder. Deswegen würd ich auch immer wieder hin wollen. In London wie gesagt ist die Liste bei ca. 200 dingen – und durch jede neue Show, jedes neue Theaterstück und jede neue Bar, jeden neuen Club wird die ja erneuert und verlängert…
Achso – und dann selbstverständlich die Sprachen. Während ich mittlerweile wirklich gern Italienisch lernen möchte, ist Englisch doch schon immer meine Lieblingsfremdsprache gewesen, ich fühle mich in ihr schon seit Jahren wohlig und aufgehoben, ich hatte auch schon vor den USA ein Talent dafür, etc.

Ein schönes Bild ist das U-bahnnetz. London hat wieviele verschiedene Bahnen in verschiedenen Farben – 10? Rom hat rot und blau. Vielleicht bald noch ne dritte. Hallo? Sagt das nicht alles – wenn man Elisa n kleines bisschen kennt?
London ist wesentlich näher an dem dran was ich bin, Rom ist nur eine meiner Facetten.
Hab ich schon gesagt dass ich schon jetzt ganz viele großartige Menschen getroffen hab? Auch noch n Punkt.

London ist quasi eine einzige Stimulation. Unbegreiflich, wie mancher das nicht spüren kann!

Ende der Ode.
Winke winke!


Montag, 14. September 2009

Erstes Lebenszeichen

Halli hallo ihr Lieben

Gestern Abend war es endlich soweit – ich hab mich für ein Zimmer entschieden. Zum jetzigen Zeitpunkt zwar 5 Pfund und 82 Pence über meinem Limit, und die bills sind leider auch noch nicht geklärt, aber die können sowohl teurer als auch billiger werden.

I’ll be living with a cool couple – Philip (deutsch) und Leonie (walisisch) und dann noch mit irgendeiner Studentin (englisch), die sie sich außer mir noch ausgesucht haben. Das Zimmer ist groß und hell und hat ein Doppelbett – was gut ist, bei dem gesamten Besuch der geplant ist. Der Teppich ist n bissel dreckig – mal sehen was ich damit anstelle. Und Pa – hast du noch eine von diesen IKEA-Ballonlampen? Die will ich haben! (Ist hier nämlich noch ne nackte Glühbirne).

Ansonsten werde ich im Digby Crescent wohnen – und das ist schön, denn ich hab ein Faible für das Wort „crescent“. Abgesehen davon ist der Digby Crescent wirklich schön – schöne viktorianische Häuser halt… In Finsbury Park! Zone 2. Das ist auch gut. Im Norden Londons. Das ist cool - denn in den Süden wollte ich nicht - der Süden ist n billig und sonst ist da nichts. Nicht sooo toll, wie das Zimmer in Holloway, das ich wollte, aber dafür werde ich mich hier bestimmt nicht komisch unter Beobachtung fühlen und meine geplanten Haufen an Besuch sind willkommen und es gibt sogar n Ausziehsofa in der Küche – auch wenn dann die Küche nicht mehr benutzbar ist.

Ansonsten has life been more than busy. Ich mixe fröhlich bis pervers Englisch und Deutsch zusammen, wie ihr merkt. Beschwert euch, wenn ihr findet dass das gar nicht geht.

Ich bin von dem einen Hostel umgezogen ins andere, weil das erste kein Bett zu dem günstigen 13 Pfund-Preis mehr frei hatte. Aber eigentlich ist das ganz cool – denn jetzt lerne ich noch einen Teil des Zentralbereichs Londons so nebenbei kennen.
Für Sightseeing hatte ich bisher wenig bis gar keine Zeit – aber dafür kenne ich mich mit dem Londoner U-bahnnetz aus und habe ne quite thourough idea von den bouroughs und districts die man in der näheren Umgebung Central Londons kennen kann. Habe gestern schon geflucht - immer diese construction works, und ohne die Circle Line ist London echt scheiße, und das im Zusammenhang mit der generell etwas engeren Zeitplanung und der ausfallenden Victoria Line hat mir das Genick gebrochen, was Pünktlichkeit gestern betraf...
Aber es ist ein gutes Gefühl nicht mehr die Pläne studenlang zu studieren, sondern zu wissen ob ich zur East-, North-, South-, oder Westbound Platform muss.
(Hab auch schon lächeln müssen, als ich ausging und die Northern Line nutzte und zur Mornington Crescent Station musste - und die Northern Line ist nun wirklich eine der verschlungensten Linien, und ich dann ein genauso hilflos rumsuchendes Paar ansprach ob sie auch dahin wollten - denn die Station stand einfach schlicht nicht mehr aufm Plan in King's Cross. Ich hab dann jemanden gefragt und das Problem gelöst, und als die beiden mir dann folgten meinte sie, er solle das eigentlich wissen, er meinte auch er solle das eigentlich wissen, ich fragte wieso - und es stellte sich heraus er war in London aufgewachsen (mindestens 18Jahre alt aber bestimmt nicht viel älter), da fand ich dann auch er sollte es eigentlich wissen. Auf jeden Fall bin ich jetzt für die Zukunft und Mornington Crescent gerüstet - nach einer Woche - während der gute junge Mann das nach 18 Jahren ist. So.)

Heute ist der erste Tag, an dem ich mal n bisschen relaxe – nachdem gestern die Hölle los war. (morgens aufwachen und nicht wissen wo man abends schlafen wird, in die British Library um das Internet zu nutzen, ein Hostel zu buchen, weiter auf Zimmersuche zu gehen, 15h Treffen mit Französin die ich bei Wohnungssuche getroffen hab in Camden, 17h Treffen mit möglichem Zimmer wegen möglicher Reduktion der Council tax, 19h Zimmerbesichtigung, danach eingeschobener Besuch bei den Leuten meiner Wahl um nach doofem Zimmer [von 19.20h] zu sagen, dass ich dann gerne ihres nehme, dann eingeschobenes Einchecken im Hostel [Royal Bayswater], weil ich Angst hatte dass die Rezeption irgendwann schließt wie in meinem vorherigen Hostel [International Students House] und dann statt verabredet um 21h um 22h an der Themse um das Feuerwerk zu betrachten, was anlässlich des Thames Festivals stattfand, was ich aber dadurch verpasste. Das alles dummerwise in Heels – weil ich morgens noch annahm, dass ich irgendwann zwischendurch mal ins Hostel käme um wieder flache Schuhe anzuziehen. Und dann hatte die arme Judith ja nun ne Stunde auf mich gewartet, also sind wir dann noch n bisschen an der Themse langgeschländert, haben das buntbeleuchtete London Eye gesehen und es wäre auch alles echt ganz schön gewesen, wenn nicht meine Füße so gelitten hätten. Dann ausm Süden der Stadt wieder hoch in den Norden zum Hostel – war ca. 1h dort, die letzten Sachen gepackt und dann mit dem Bus – Tubes fuhren natürlich nicht mehr - in den Westen ins neue Hostel. Dort dann Bett bezogen, und nachdem meine Ernährung den Tag über aus einem Labberbrot-Toast-Dings mit Erdnussbutter, 2 Nektarinen und 2 Schoko-und-Keks-Riegeln bestanden hatte, nochmal hingesetzt und so leise wie möglich das gegessen was ich hatte – also Labberbrot mit Peanut Butter… Und dann so um 3h ins Bett. Mein armer, armer Körper!)
Also, nachdem gestern die besagte Hölle los war bin ich heute relativ fertig und muss erstmal anfangen aufzutanken bzw. mich zu freuen ne Wohnung zu haben.
Und morgen ist schon early enrollment - mal sehen wie ich der Bremer Uni jetzt verklickere dass sie sich sputen muss. Und ne SIM-Karte brauch ich noch. Und wie gesagt, Sehenswürdigkeiten betrachten wollt ich auch noch. Und n paar Fotos machen...

Bleibt noch zu sagen: London ist grandios! Ne ganz, ganz tolle Stadt, und ich merke schon jetzt, dass ich hier sehr gut hinpasse. Besser auch, als beispielsweise nach Rom oder so. London ist stimmig.

Alles Liebe nach Deutschland,
Elisa

Samstag, 1. August 2009

Melancholie!

Ich will nicht gehen. Das heißt nicht, dass ich mich nicht ungemein freue, euch wiederzusehen. Bloß gehen will ich nicht.
Noch nie sind 2 Monate so schnell vergangen.
Und noch nie war ich arbeitsmäßig so erfüllt, wie die letzten zwei Wochen, auch nicht beim Studium.
(Bei der Abschiedsrede hat der Botschafter übrigens gesagt wir (Christian und ich) hätten "beyond the call of duty" gearbeitet. Das ist erst einmal ne geile Formulierung und zweitens wahr, hat auch die Chefin gesagt, weil die StäV nämlich eigentlich Personalmangel hat und es ansonsten NICHT selbstverständlich ist, dass Praktikanten DEU bei Sitzungen repräsentieren und Drahtberichte verfassen. Drahtberichte! Und ich bin heilfroh dass die gute Frau Kuhn in den Urlaub gefahren ist, da wurde ich auch nochmal deutlich mehr ne volle Mitarbeiterin ;) )
Beim Abschiedsblick aufs WFP hätt ich jedenfalls fast geweint. Dieses Gebäude in dem ich mit solcher Selbstverständlichkeit hin- und hergelaufen bin und Gutes getan hab. Und jetzt läuft mein building-pass aus.
Und Rom ist einfach schön. Ästhetisch vielleicht die schönste Stadt die ich kenne.
Und n paar tolle Menschen die ich gern näher kennengelernt hätte gibts halt auch. Logisch. Gibts ja überall.
Aber networking-mäßig ists prima gelaufen; Hayley ist nämlich aus London aber wohnt in Rom - die perfekte Kombi um sich gegenseitig und auch später ständig zu besuchen :)
Und überhaupt sind Basen in Rom nicht schlecht.
Und das macht mich auch weniger traurig als der Abschied aus Indonesien - hier komm ich garantiert sehr häufig wieder her. Ist ja kein Problem. Hier wohn ich vielleicht auch mal ne längere Zeit.
So - jetzt gehts wieder ans Tasche packen - freue mich wie gesagt sehr auf euch!
Viele Grüße aus der ewigen Stadt

Mittwoch, 22. Juli 2009

schönes Leben

Mittwoch 22. Juli 2009

Ist das Leben nicht wunderschön? Ist das Leben nicht einfach wunderschön?
Es ist 18.41h, ich komme gerade von der Arbeit, ich hätte schon um 17.oo oder 17.30h gehen können, aber ich bin aus Interesse geblieben, und hätte ich nicht die BA-Arbeit im Nacken, wäre ich bis zum Ende geblieben. Das ist wunderschön - dass es Spaß macht, dass ich das Gefühl habe am für mich perfekt richtigen Ort zu sein, dass ich gute Laune habe und das Gefühl, dass mein Leben erst einmal eine ganze Weile so weitergehen könnte, weil die Arbeit gut ist, weil sie mich ausfüllt, weil ich dafür gerne meine Freizeit investiere und weil ich den wenigen Feierabend den ich dann habe auch genießen kann. Irgendwie ist es so auch nicht dringend nötig, dass ich jeden Abend was unternehme, denn die Arbeit, wenn sie so ist wie diese Woche, füllt aus, bringt mich mit Menschen zusammen, so genieße ich dann auch den Abend für mich allein. Hach, es ist einfach alles wunderbar!
Und dann hab ich meine Schuhe abgeholt, bei einem alten kleinen Schuster mit ner noch kleineren Frau. Und sie sprechen nur italienisch, und sind nett, und natürlich, kaum ist die Frau da, übernimmt sie das Wort und der gute Mann sagt nix, und die Schuhe sind heil und ich hab mich bedankt und er hat sich zurück bedankt und das ist auch wunderbar. Wunderbar weil ich voll am Leben teilnehme, weil ich hier zu Hause bin, weil ich genug italienisch verstehe um seine Antwort zu verstehen, meine Nachbarschaft mag (italienisches Leben halt - das ist mir immer sehr wichtig - wirkliches Teilhaben, kein Tourismus).
Und dann hab ich heut auf spanisch mit Julie gechattet, nur kurz, auf der Arbeit, und mir ist ständig italienisch in die Quere gekommen. Und das ist auch großartig, weil ich möchte italienisch lernen, und ich habe eigentlich gar keine Zeit dazu und dennoch ist der Chat Beweis dafür, dass sich diese wunderschöne Sprache schon in meinen Kopf stiehlt...
Und letztens war ich nachts auf nem Moby-Konzert auf der Piazza del Popolo (ich lieeeebe das Wort 'Piazza'. Ist das nicht auch einfach wunderschön? Ich könnte es ständig sagen: piazza, piazza, piazza...) und es war 27° immernoch, und es war sehr, sehr laute und gute Musik und Menschen und Lichter und beleuchtete Brunnen und der beleuchtete Obelisk auf der Mitte des Platzes und - wow.

Mittwoch, 15. Juli 2009

Angekommen

Mittwoch Abend, das heißt eigentlich Donnerstag Morgen - 15./16. Juli 2009

Ich wollt nur sagen ich habe eine Phase des Ankommprozesses abgeschlossen. Mit anderen Worten bin ich auch eine Stufe auf der Lern-Leiter hochgeklettert. JUHU! Bin sehr froh, dass meine Ankunft noch vor meiner Abfahrt stattgefunden hat - das ist ja nicht selbstverständlich. Ankunft auch im Sinne von: ich fühl mich wohler hier, ich fühl mich zu Hause, ich mag die Italiener, ich habe auf einmal nen echten Überblick bei der Arbeit und bin quasi ne volle Mitarbeiterin (absoluter Qualitätssprung auch hier bei der Praktikumsbewertung - total gut - eigentlich werden wir Praktikanten voll mit eingespannt und auf einmal fühl ich mich auch kompetent).

Donnerstag, 2. Juli 2009

Mein Praktikum

Donnerstag 2. Juli, Abends

Sodele
Dann will ich euch jetzt endlich mal von meiner Arbeit berichten. Also:
Ich mache ein Praktikum bei der "Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der FAO und anderen Internationalen Organisationen" in Rom, was per se schon mal cool ist. Okay - könnt ihr wahrscheinlich nicht so nachvollziehen, aber für mich ist es ziemlich genau das, was ich machen will.
Das der offizielle Name so ist, ist komisch. Man sollte doch annehmen, dass der noch offiziellere Name lautet Ständige Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der FAO, dem WFP und IFAD in Rom, aber nein 'und andere internationale Organisationen'. Das scheint in Anbetracht der Tatsache, dass es so deutlich viel griffiger, kürzer und handhabbarer ist absolut sinnvoll. Ääääh?
Wie auch immer.
Ständige Vertretung kürzt sich StäV ab - und so will ich es im Folgenden ebenfalls halten. Für die, dies nicht so genau wissen: StäV heißt es, weil es eben eine Vertretung Deutschlands bei Internationalen Organisationen ist. Handelt es sich um bilaterale Beziehungen in der Hauptstadt des jeweiligen Landes ists ne Botschaft, und befinden sich Vertretungen in anderen Städten, nicht Hauptstädten, sinds Konsulate.
So - jetzt hab ich mal wieder zur Allgemeinbildung beigetragen :) Die StäV hier in Rom befindet sich aber im Gebäude der deutschen Botschaft - deswegen behaupte ich auch häufiger mal ich ginge in die Botschaft - aufs Gebäude bezogen.

Die FAO ist die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, das WFP ist das Welternährungsprogramm und IFAD der Internationale Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung.
Der Oberfuzzi (Zitat Fr. Kuhn) ist Herr Botschafter Hans-Heinrich Wrede und mir wurde nahe gelegt ihn auch bitte Herrn Botschafter zu nennen und nicht irgendwie sonst!
Ansonsten wurde ich anfänglich irgendwann vereidigt und weiß nun Bescheid über sämtliche möglichen Vergehen die ich begehen könnte, die da u.a. wären:
a) Verwahrungsbruch,
b) Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes,
c) Verwertung fremder Geheimnisse,
d) Vorteilsannahme,
e) Verrat in irriger Annahme eines illegalen Geheimnisses,
f) Landesverrat,
g) Preisgabe von Staatsgeheimnissen,
h) Landesverrätrerische Ausspähung,
i) Gefangenenbefreiung.
Ihr seht also, ich bewege mich auf verdammt dünnem Eis!!

Was mache ich? Ich arbeite hauptsächlich mit der guten Frau Kuhn (Frau Kuhn ist grandios - Frau Kuhn kriegt ihren eigenen Absatz) zusammen, sie ist zuständig für WFP und IFAD. Gleich zu Beginn in der ersten Woche sind wir täglich zur Exekutivratssitzung des WFP (= Executive Board).
Das WFP liegt einigermaßen in Römischen Randbezirken, bis ich die besten Verkehrsverbindungen raus hatte wars Mittwoch, es ging offiziell immer von 10-19h aber einmal (Mo) war vorweg auch EU-Koordinierung, und dann wurde auch überzogen, und anfänglich bin ich ja noch früher ausm Haus als notwendig, also war ich Mo bspw. von 7.15h bis 20h unterwegs. Und das alles quasi zum Mitschreiben. In der Woche hatte ich kein eigenes Leben.

Exkurs: Also, mal eben Zwischenfazit, weil hier passts grad (oh je, oh je Oma - ich merke gerade: ich sag das AUCH!!!):
Macht meine Arbeit Spaß? Nein.
Macht es Spaß durch meine Arbeit kennenzulernen und zu sehen was ich sehe und kennenlerne? Ja. Absolut.
Ist sie eine Herausforderung? Nein.
Lerne ich etwas auf den 1. Blick? Nein.
Lerne ich etwas auf den 2. Blick? Ja.
Lerne ich etwas auf den 3. Blick? Ebenfalls ja.
Der 1. Blick beinhaltet die Tatsache, dass ich vorranging mitschreibe, zusammenfasse, recherchiere, formuliere - also schreiben und schön schreiben helfe (obwohl natürlich auch hier Training nie schadet).
Der 2. Blick bezieht sich auf Kleinigkeiten, 'wie macht man seinen Chef glücklich', 'wie verfasse ich Drahtberichte', 'wie sollte Teamarbeit und deutsche Außernvertretung funktionieren', 'wie betreibe ich Networking und komme überall gut an', 'wie priorisiere ich' ( <- Scheißwort - was? gibts aber!), etc. Der 3. Blick bezieht sich auf umfassendere allgemeinere Einsichten, und das auf verschiedensten Ebenen. Einmal natürlich über deutsche Verwaltung und das deutsche Ministeriensystem. Und dann in die für mich so spannenden Internationalen Organisationen, ihre Arbeitsweise, ihre Funktion, die Arten der Einflussnahme der Mitglieder, die Sprache der Diplomatie, etc. Klar habe ich bei Model United Nations schon gelernt wie man 'motions' macht, wie man sich meldet um zu sprechen, wie man einleitend rumblubbert. Aber - hey - auf einmal wird dem ganzen Leben eingehaucht. Echtes! Auf einmal sehe ich, dass, auch wenn es bei MUNs und in Regelwerken so wirkte als wäre durch die Milliarden von Regelungen wie und wann man reden darf jeglicher Dialog oder gar Diskussion unmöglich, es fantastisch läuft. Theretisch denkt man sich, dass viel Politik in den Kantinen und außerhalb des Sitzungsraumes abläuft, aber nun erfahre ich das hautnah und wirklich und denke es mir nicht nur rein hypothetisch. Und zu Guter Letzte werden Zusammenhänge der Politik, der Weltordnung und des Internationalen Gefüges überhaupt, wird der Einbezug von Zivilgesellschaft, die Relevanz des Privaten Sektors, all dies wird langsam aber sicher greifbar, erlebbar, real. Also: gerade jetzt bin ich nicht unbedingt begeistert von meinem Praktikum, aber ich ahne schon, dass ich momentan die Basis zu einem allg. Verständnis lege, das ich schon in ein paar Jahren vorraussetzen werde, sie wie viele Leute die in ihrem Thema drin sind sich nicht vorstellen können, das man manche Zusammenhänge nicht kennt, denn wie könne man ohne ein solches Wissen auf dieser Welt herumlaufen??
Exkurs Ende

Wann hat man sonst noch so Spaß? Bei soner EB-Sitzung tendenziell eher selten, ist ja alles ernst und sind eben auch wirklich wichtige und ernsthafte Themen. Das alles in unterkühlter Atmosphäre - denn die Klimaanlage lief hervorragend, ich hab ab Tag Nr 2 freiwillig meine Anzüge statt der Kleider angezogen, auch wenn Rom 35° hatte, denn am 1.
Tag bin ich quasi erfroren. Insofern war aber folgender einleitender Kommentar von der schweizerischen Delegation am letzten Tag urkomisch:
"First of all I want to thank WFP for the heating provided. I will suggest to Switzerland to reduce its contributions because a lot of money is being spent on airconditioning". Der Saal war highly amused. Und ich hab mich bestimmt 15min daran erfreut. Keine Ahnung ob das von außen so nachvollziehbar ist, aber wie gesagt: äußerst ernste Umgebung, ordentlicher Bestandteil Wahrheit, dennoch zwinkernden Auges und in genau der Satzkonstruktion und Manier in der man auch sonst bei den Sitzungen spricht -bloß scherzhafter Inhalt. Lustig! Später wurde dann dreisterweise noch von nem WFP-Vertreter behauptet die Temperatur reflektiere einen "pleasant afternoon in Switzerland". Was auch n bissel komisch war, aber vorrangig frech, denn der Saal hat ja mehrheitlich gefroren, mit Ausnahme vielleicht der Amerikaner.

Interessant ist auch der Umgang mit Zahlen der StäV. Erinner ich mich grad heute dran, wie ich das in den ersten Tagen schon eigentümlich fand Frau Kuhn am Telefon zu hören, und sie redet über irgendeine deutsche Spende und sagt kein Problem, mache sie, ach um wieviel handele es sich denn? 1 Million? Okay.
Und diese Woche bei irgendeinem anderen Thema handelte es sich dann mal um 10 Millionen ("Wieviel Geld war das denn?" - "Ja so 10 Mio." - "Das ist doch schon längst raus!")- und es hat mich schon nimmer berührt. Sowohl die eine als auch die zehn Millionen - peanuts.

Jetzt folgt ersteinmal Frau Kuhns Absatz (um folgende Sprüche und Witze udn Aussagen zu verstehen muss man sie sich alle mit einem strahlendem Gesicht vorgebracht vorstellen):

Frau Kuhn war von anfang an nett, ne Plaudertasche, offen und herzlich.
Frau Kuhn qualifizierte sich an einem der ersten Tage als grandios, indem sie einen highlevel Deutschen beim WFP anrief (ich durfte offiziell mithören), und ihm dann einleitend zu seiner kommenden Beförderung gratulierte (DEU will natürlich immer gut vertreten sein, besonders im high level, und da er eh nett ist und sich das lohnt macht man gut Wetter). Er (hammerhart - sowas hab ich auch noch nicht erlebt!!) hakt ein und legt los, wie er daran gekommen ist, was er nun macht, wer ihm nachfolgt, keine Ahnung was genau und was sonst so - eine reine Lobeshymne auf sich selbst. Frau Kuhn, macht "hmmm", lächelt, und schreibt parallel folgendes Wort auf einen Zettel den sie mir dann zum Lesen hochält 'Männer!'. Dann schreibt sie nochmal und unterstreicht rigoros 'eitel'.

Oder am Ende des Exekutivrats, da meinte sie jetzt machten wir Fotos (wollte ich ja auch, aber nicht ganz so wie sie), und dann sollte ich mich auf den Deutschlandplatz setzen und dann zerrte sie den Japaner und danach den Mexikaner ran, damit die sich mit ihren Schildern neben mich setzten und alles realistischer aussehen lassen. Und nur weil sie sich mit dem Mexikaner immer toll versteht hatte ich den die gesamte Woche dennoch noch nicht kennegelernt und sie ermunterte uns nun doch mal vertraulicher zuw irken. Und dann ging sie auf den armen Präsidenten des EB los und sagte ihm ich sei hier Praktikantin und wir müssten Fotos machen. Mann - der schien echt gar nicht glücklich. Ich habe mich zwei mal entschuldigt aber er hat kein Wort gesagt. Und dann wollte Frau Kuhn auch Fotos von ihm und sich und nachher sprach sie fröhlich davon, dass sie ihre Tochter auch immer missbrauche, und dass die sich auch immer beschwere wenn sie ihre Tochter vorschöbe und behaupte die wolle dieses oder jenes wissen etc... Oh mann oh mann - da blamiert sie mich, nutzt mich und sagt dann fröhlich in ihrem Alter sei ihr nix mehr peinlich.
Bloß gut, dass mir auch quasi nix peinlich ist, sonst hätt ich mit der Chefin n Problem. Und ich schätze, wenn ich am Ende meiner diplomatischen Karriere die Fotos anschaue, dann werd ich denken 'da fings an - mit der wahnsinnigen Frau Kuhn'.

Außerdem, ebenfalls währenddes Exekutivrats, rief zwischendurch offensichtlich der Botschafter auf ihrem Handy an um sich nen Zwischenstand geben zu lassen. Ich hörte nur ihren Teil der Unterhaltung, der sich aber zwischendurch auch auf mich bezog "Frau Klüver war klasse!!" (Pause) "Ja, ja - klasse war die!" - "hat alle Papiere geholt - ganz klasse" und als sie am Ende des Gesprächs auflegt guckt sie mich fröhlich an und meint aufmerksamkeit heischend "Hab ich doch gut gelogen - oder?" Oh mann, oh mann, oh mann. Mir blieb fast die Luft weg. Aber witzig.

Frau Kuhn bringt auch Sprüche wie "dann verbinden wir das Überflüssige mit dem Unnötigen..."

Oder sie telefoniert mit Leuten die ich treffen soll (Beispielsweise den Berliner Architekten vom German Room im IFAD) und kündigt mich immer an als "da treffen Sie dann ne hübsche Blondine, das ist unsere Praktikantin Frau Klüver". Ich muss ihr mal sagen sie solle die Erwartungen nicht ständig so hoch hängen ;)

Außerdem möchte die absolut Italienbegeisterte mir auch immer Italiener anschwatzen.
Und erzählt auch immer selber viel, von ihrem Mann, und man kann ja nicht alles selber machen, und jetzt hat er heut morgen wieder son Gesicht gezogen weil er den Rasen mähen soll. Und von ihrem Exfreund - dem Italiener, und den hätte sie letztens getroffen, jetzt hätte ihr Mann gesagt er wolle nicht mit, und die Tochter sei n richtiges Vaterkind und wolle auch nicht mit und da sei sie dann halt allein gefahren, man müsse auch mal an sich denken.
Und der Italiener sei noch genauso wie früher, und nun habe er zwei Seegelboote mit denen er seinen Lebensunterhalt bestreite (nicht mehr nur eins)und sein Leben sei immernoch so unbeständig und er habe sie mit Rosen abgeholt, und all das erzählt sie strahlend und lachend.
Und ansonsten ist sie auch immer sehr an mir interessiert. "Erzählen Sie mir mal von Ihrem XY". "Sieht er denn wenigstens gut aus?"
Irgendwann hatte sie mitbekommen, dass ich erst um 4h ins Bett gekommen war, fragte dann, ob denn wenigstens ein Italiener der Grund gewesen wäre, und als ich das wahrheitsgemäß verneinte meinte sie: "Sie können froh sein, dass das nicht in ihre Bewertung eingeht." *totlach* Letztens hab ich mich mit Herrn Hengstenberg ausführlich beim Mittagessen unterhalten. Das ist der mit dem Sauerkraut und dem Senf und den Gurken.
[Ich glaube nicht dass ich noch eins seiner Produkte kaufen kann ohne dran zu denken, dass der durch und durch grün ist und ich mich nett mit ihm auf der Dachterasse der FAO unterhalten hab :) ] Der war mit bei ner Besuchergruppe von Unternehmern dabei - wir haben uns vorher inner Botschaft übrigens auch darüber amüsiert, da wir nicht wussten warum er mitfuhr auf diese Informationsfahrt, ob er wohl an Senf denke als Nahrungsmittelhilfe für Flutopfer und ähnliche...
Und da bringt Frau Kuhn dann auch mit Begeisterung Sprüche wie "Jetzt schreiben wir mal Ihrem Herrn Hengstenberg, das machen Sie mal, das bereiten Sie mal vor" und erzählt überhaupt allen Sekretärinnen ich habe mit ihm angebandelt etc.
Naja - so ist der Arbeitsalltag mit einer Chefin, die einem dann lachend mitteilt, dass die eine Sekretärin ihr immer unterstelle sie flirte mit dem Typen mit dem sie heute geschäftlich zum Mittagessen war, aber sie habe schon genug zu tun mit ihren Männern, es reiche an Männern, eigentlich meist sehr locker und nett!

So - ich entschuldige mich für diese recht wirre Darstellung meines Arbeitsalltags, an deren Ende ihr immernoch keine Ahnung von meinem Arbeitsalltag habt. Aber immerhin nen Eindruck. Und jetzt bin ich dead tired, und morgen muss ich zum ersten Mal zum IFAD, allein, und dann treff ich nen deutsche Architekten und wir diskutieren mit den IFAD Leuten über den German Room (D zahlt) im neuen Gebäude und er hat voll Schiss und ich darf nix sagen, sondern bloß mitschreiben, bin halt noch nicht qualifiziert Aussagen in DEUs Namen zu machen.
Und muss zusehen, dass ich mir da erstmal nen Gebäudepass besorge - darf ja nicht jeder rein.

Und die Organisationen sind toll - da sind die ganzen Fahnen aller Länder vor, und dann natürlich die hellblaue UN-Fahne, und irgendwie - achja, wer träumt nicht von Frieden und Freiheit und Bildung und Nahrung für alle??
Tut Gutes ihr Lieben - jeder kann seinen Teil beitragen die Welt zu verbessern! Denke an euch!

Mittwoch, 3. Juni 2009

La città eterna

Mittwoch der 3. Juni 2009, Abends

Buona notte

Da bin ich mal wieder. Sitze gerade, mit Pizza vollgestopft, auf meinem vorübergehenden Bett. Heute ist mein 3. vollständiger Tag hier, und gerade war das dritte Mal, dass ich Pizza gegessen habe. Das ist ja nicht einmal bloße Erfüllung eines Klischees, das sind ja völlig neue Ausmaße eines solchen. Normalerweise gehe ich immer in neue Länder um Stereotypen und Vorurteile umzuschmeißen – nicht um sie in ungeahnte Höhen aufzubauschen. Verrückt ;)

Am ersten Abend kam ich um viertel vor 12 endlich am Hauptbahnhof Termini an, und wurde da dann glücklicherweise von Novella – meiner Bekannten aus Bilbao – abgeholt. Also es zeigt sich mal wieder: networking lohnt sich!! Es regnete, aber sie schlug dennoch vor ein Eis essen zu gehen, was, wie ich finde, der perfekte Anfang eines ordentlichen Italien-Aufenthaltes war. Nachts um 1 ein Eis im Stadtzentrum auf der Piazza Campo de Fiori – da wo der wichtige, wichtige Philosoph verbrannt wurde – der, der wusste, dass das Universum unendlich ist.

Den nächsten Tag verbrachte ich dann mit Novella und nahm einfach an ihrem Leben teil, statt mich touristisch zu verhalten. Also gabs morgens erstmal geilen Kaffee, dann lernten wir (sie für die Uni, ich italienisch) dann gingen wir bei ihren Eltern vorbei um dort Mittag zu essen. Was soll ich euch sagen? Ich habe nicht drum gebeten, es war ein echtes Familienessen – ohne Touri-glücklich-mach-Ambitionen, und es gab trotzdem Spaghetti Bolognese. Und Mozzarella und Brot und Prosciutto und Hackbällchen und Obst (ihr seht schon, das mit der guten Figur wenn ich nach Hause komm, das könnt ihr vergessen. Aber Exschatz kanns ja nun nicht mehr stören ;) ). Nachmittags versuchten wir dann mir n Metromonatsticket zu besorgen, was nirgendwo klappte und gingen danach ins Internet, wo ich viel organisatorisches erledigte, bis wir uns auf den Weg nach Hause machten und auch fast wieder zum Abendessen zu ihren Eltern. Da gabs dann Pizza – logisch. Manchmal erzähl ich Dinge die selbstredend sind – sorry dafür 

Am Tage darauf sind wir schön Cappuccino zum Frühstück trinken gegangen (ich hatte seit Reiseführerlektüre eh fest vor nur noch auf italienische Weise Kaffee zu trinken – also generell nur Caffé am Nachmittag, keinen Cappuccino), haben versucht mir mein Ticket zu besorgen was nirgends geklappt hat und gegen Mittag bin ich dann bei Patrizia, Thilo und Samuel eingezogen, wo ich nun noch 2 Nächte bleibe, bis ich am Fr hoffentlich in meine Whg kann. Mit Thilo bin ich dann erstmal mit, wieder in nen Tabakwarenladen, um dort wo er immer sein Monatsticket kauft nachzufragen – schon in der festen Annahme, dass auch die es nicht haben werden, wie so viele andere die es eigentlich hätten haben müssen vor ihnen – da haben die doch tatsächlich eins. Solche Dinge sind in Italien immer so – ewig klappts nicht, dann unverhofft doch und man weiß nie wann und wo.

Im Großen und Ganzen habe ich mein Augenmerk also eher auf Ankommen im Sinne eines Bewohners der Stadt (in der Rolle gefalle ich mir ja nun mal) gelegt, anstatt auf Besichtigung. Als ich dann gestern Abend zu einem Expatriots-in-Rome-Treffen mit dem Bus zum ersten Mal einfach so am Colosseum vorbeifuhr blieb mir doch kurz das Herz stehen. Wahnsinn dort zu sein, wo schon Jahrhunderte vorher Menschen waren. Wieviel Leben sind an genau dem Ort vorbeigehuscht – wie viele haben dort gelacht und geweint? Nicht, dass nicht wahrscheinlich auch an sehr vielen anderen Orten seit Jahrhunderten Menschen leben – aber hier ist es so klar erwiesen und ganz offensichtlich. Also Rom hat schon ein wahnsinns Flair. Kann nicht ganz verstehen, dass nicht jeder in ihren Bann gezogen wird. Rom ist nicht notwendigerweise schön, der Verkehr ist unerträglich, es ist laut, heiß , scheißteuer und noch viele negative Dinge von denen ich noch gar nix weiß (siehe zukünftige Einträge) aber es ist la città eterna. Und ich werde Teil dieser Stadt. Ich werde an den Milliarden von wunderschönen und antiken Bauwerken und Bauresten vorbeikommen – ständig und immer wieder, wenn ich nur losgehe ein paar Leute zu treffen. Es ist warm und es gibt mediterrane, laue Sommernächte mit Colosseen im Hintergrund, riesigen Triumphbögen, Gebäuden, Kirchen und Plätzen, Osterien und Ristorante mit Kerzen auf den Tischen in holperigen kleinen Steinstraßen und allen paar Meter Eisdielen mit riesen Auswahl und wahnsinns Geschmack. Ohoh – ich gerate ins Schwärmen. Kann mein eigenes Leben in den nächsten Tagen gar nicht abwarten.

Und die Sprache!! Mammamia. Wieso hat mir eigentlich keiner gesagt, dass ich sie liebe? Das muss man doch vorher wissen! Gestern hat mich Mauro nach Hause gefahren und ich hab irgendwas auf Italienisch gesagt (offensichtlich richtig) und er meinte „Perfetto“. Ohoh – wenn ich schon die Aussprache dieses Wortes höre – ich wünschte ich wäre perfetto. Naja – mal schauen was ich so schaff mir anzueignen…

So – und jetzt reichts erstmal, ich wollte eigentlich noch italienisch lernen, ein paar mails schreiben, Kontakte pflegen, evtl. mal Zeit für meine BA-Arbeit oder zum Lesen haben und unbedingt Eis essen gehen. Es ist jetzt 23.20h und ich hatte gestern schon nicht genug Schlaf – das wird also alles wieder nix, aber das Eis muss sein. Ich würd nicht direkt sagen dass Tag Nr. 2, an dem ich kein Eis hatte deswegen ein verlorener Tag war (es gab ja Spaghetti und Pizza) – aber nochmal geschehen lassen will ich sowas nicht!

Alles, alles Liebe

Elisa


PS: Komisch – ich nahm irgendwie nicht an, dass es hier viel zu erzählen geben würde. Nach Indonesien nimmt sich doch alles blass aus, dachte ich. Aber irgendwie gibt’s ja dann doch einiges…

Freitag, 1. Mai 2009

Emotional turmoil

Friday, 1st of May of 2009

Tja – meine Pläne sind nicht ganz nach Plan gelaufen. Garys Vater ist überraschend verstorben, und anstatt jetzt heute (Fr) und morgen mit ihm Jakarta anzuschauen und einfach nochmal intensiv Zeit zu verbringen, haben wir uns heute 2h gesehen bevor er nach Australien abgereist ist. Jetzt verbringe ich meinen Nachmittag im „Pancake Parlour“ in Lippo Karawaci Mall, und nehme wenn ich die Nase komplett voll hab und die Rush Hour hoffentlich vorüber ist ein Taxi zu Denish nach Hause (Jakartas Verkehrssystem geht GAR nicht. Mit Staus ist beständig zu rechnen, und dann brauche ich ne Stunde mit dem dem Taxi zu Denish nach Haus. Betet, dass es abends glatt läuft!). Denish kommt nämlich erst morgen Nachmittag hier an. Wäre nun, da Gary keine Zeit hat, gern noch 1-2 Tage im Paradies (=Bali) geblieben, aber umbuchen ging nicht. Hab hier Internet und ordne meine Bilder, meinen Blog, etc. Habe auch gerade zwei Zusätze im „street experiences“-Post veröffentlicht. Wenn ihr mögt, lest auch meine neueren Erfahrungen was das betrifft.

Emotional turmoil – natürlich bin ich froh, nach Hause zu kommen, und dennoch könnte ich heulen. Wie schon im letzten Post erwähnt etwas unerwartet. Aber irgendwie bindet man sich doch emotional ganz schön an die Leute, wenn die eigentlich notwendigen Kontaktpersonen (ihr!) so weit weg sind, und die, die nah sind, einen eh besser verstehen. Ich habe viele meiner Gedanken quasi täglich mit Gary und häufig mit Denish geteilt. Wie könnte ich nicht traurig sein, wenn so eine intensive Bindung fast gänzlich unterbrochen wird? Außerdem waren die letzten zwei Wochen toll – aber auch genau deshalb, weil es die letzten zwei Wochen waren. Ich habe sehr viel unternommen und viele Leute noch einmal gesehen, die ich mochte. Und Bali war phantastisch. Aber all das wäre ja nicht von Dauer…
Fazit: Wenn ich mich drauf einließe, könnte ich jetzt losweinen – und das nehme ich als ein gutes Zeichen. Wäre es nicht so, was hätte mein Aufenthalt dann bedeutet? Zumindest auf einer menschlichen Ebene?

Nun zu Bali. Auf Bali alleine reisen ist toll (die Liste der Dinge die ich hier lerne wird länger und länger. Die Tatsache, dass ich alleine verreisen kann fördert meine Selbstsicherheit,
> Crap – why are they playing ‚I’m leaving on a jetplane‘ now and in this mall when I HAVE to hear it?? I’m not keen on crying in public! <
das Gefühl mit quasi jeder Situation umgehen zu können, it just makes me feel even better about myself). Am ersten Abend fühlte ich mich noch unwohl und allein, aber dann haben mich eine Amerikanerin und eine Malaysierin angesprochen und wir haben nen netten Abend miteinander verbracht. Am nächsten Morgen (den 26.04.) war ich auf dem Weg zu einem langen Strandspaziergang, when I got lost in den Ständen die Schmuck (hauptsächlich Perlenschmuck für Beach-Beauties) verkaufen. Als eine andere Kundin eintrat dachte ich nur ‚bitte, bitte sprich deutsch, dann können wir uns austauschen ohne dass die Verkäufer es verstehen, und dann kann ich deinen Kram mitkaufen, so kriegen wir nen günstigeren Preis‘. Und –tadaa- sie sprach deutsch und hieß Isabelle. Während sie so die eine oder andere Kette anpries (weil sie sie haben wollte), fand ich die dann auch ganz gut, und nach Stunden (so schien es) verließ ich den Laden um 20 Euro ärmer aber um 13 Teile reicher (zwei Perlengürtel, die man fast nie tragen kann, aber was solls, Ohrringe, 3 Armreifen und 4 Ketten). Dann haben wir am Nachmittag einen Strandspaziergang nach Legian gemacht, den der Lonely Planet empfohlen hat, und abends waren wir aus. Beim Umherspazieren auf den Straßen wurden wir von 3 Kanadiern aufgegabelt, die ganz schön ‚crazy‘ aber auch unterhaltsam waren (siehe Fotos). Sie waren beispielsweise schon etwas lustig, und wir standen alle im Kreis und unterhielten uns, als Dillan (wie ich später herausfand) auf nen im Durchmesser kleinen, aber in der Höhe hohen Huckel trat. In der Annahme, das wäre mein Fuß entschuldigte er sich "I'm sorry, did I just step on your foot?" und wollte dazu wohl eine warme Geste mit dem Arm machen, und quasi von hinten leicht und fragend meinen Rücken berührern. Landete aber auf meinem Po. Zusammenfassung war dann "Okay - I DIDN'T step on your foot, but I just touched your butt!".
Bin morgens irgendwann um 5 rum nach Hause gegangen…
Am 27.04. bin ich nur mal kurz los um mir nen Busticket nach Ubud zu besorgen, und dann schnell noch vorher zum Treffpunkt mit Isabelle, und dann wollte sie, weil es ihr letzter Tag war am Strand zu Mittag essen, und dann am Strand zurückwandern. Und dann bin ich tatsächlich ins Hotel um mir Badezeug und Sonnencreme zuzulegen, aber da wars zu spät. So verbrannt war ich Jahre nicht mehr! Dass ich Hautkrebs kriege, darauf könnt ihr euch schonmal einstellen!
Irgendwann im Laufe des Tages habe ich noch die zwei Österreicher (den einen, und den verflucht gutaussehenden anderen – noticing is allowed, isn’t it?) aus dem Nachbar-Hotelzimmer kennengelernt, mit denen ich dann ne Bali-Tour am nächsten Tag unternommen hab. Die hatten ein Auto mit nem Fahrer gebucht (angenommen, dass der auch ne Art Führer wäre, der uns durch Bali führt, das war allerdings nicht der Fall) und ich hab mich eingekauft. Am 28.04. sind wir dann erst zum Tempel Pura Luhur in Ulu Watu, dann zum Strand Nusa Dua, dann zum Tempel Tanah Lot und dann nach Ubud – also das Wichtigste Süd-Balis. In Ubud bin ich geblieben und habe am 29.04. noch zwei seehr nette Kanadier kennengelernt (früher oder später geht’s definitiv nach Winnipeg, Canada), mit denen ich den ersten Teil einer cremation ceremony beobachtet habe. Abends habe ich dann eine Kecak-dance-performance (fire-dance) genossen und am 30.04. einen tollen Spaziergang in einer traumhaften Natur gemacht und mit nem Honey-Spa-treatment abgeschlossen. Auf letzteres war ich dummerweise fürchterlich allergisch (bzw. vermutlich auf das Massageöl), so dass ich statt entspannt, voll roter Pusteln und mit Juckreiz nach Hause ging. Schrecklich! Nachts in Jakarta haben mir Denishs Eltern noch irgendwelche Medizin besorgt, und nun gehts prima. Hoffe das bleibt auch so - kann ja nicht ewig Tabletten nehmen.
So jetzt höre ich mal auf, kann nicht mehr.
All dies ist auf den Bilder zu begutachten!
Wir sehen uns in Deutschland. Freue mich schon sehr auf euch!!
Elisa

Samstag, 25. April 2009

Abschiedsschmerz

Samstag 25. April 2009

Da bin ich mal wieder – gut möglich das letze Mal aus Indonesien. Die letzte Woche war Abschiedsstress angesagt, und dabei hab ich doch noch nicht einmal von Yogya erzählt. Nun sitz ich allein in Bali und erhole mich, da habe ich natürlich prompt Zeit zu schreiben.
Bin heute Morgen um 5.15h endgültig aus Bandung abgefahren. Verbringe jetzt meine Zeit in Bali bis zum 30. abends, dann hab ich den 1. und den 2. In Jakarta mit Gary (mein temporärer bester Freund) und vielleicht Tatha und Sarah (Kandidatinnen für Freundschaft – aber ich geh ja schon wieder bevor ich sie wirklich kennenlernen kann, verflucht!) und am 3. abends um 19h geht’s los nach Deutschland.
Habe völlig unerwartet heute Morgen beim Abschied weinen müssen, dabei war nicht mal jemand da (bis auf Denish) um mich zu verabschieden, und die seh ich ja in Jakarta wieder. Habe bisher immer angenommen, dass mir an dem Land nicht besonders viel liegt, dass ich mich wahnsinnig auf unsere westliche Kultur freue, und dass jede mögliche Trauer sich direkt und spezifisch an Gary und Denish festmachen würde. Und dann weine ich heut morgen (nicht doll natürlich) weil ich mein Leben der letzten zwei Monate verlasse. Ein intensives Leben – einfach dadurch dass alles fremd war. Weil ich an leeren Abzweigungen vorbeifuhr und dachte, ‚hier hab ich mir immer Essen geholt‘. Und weil ich an Devi’s Haus vorbeifuhr und dachte ‚hier hat die Gute mich aufgenommen, auf herzlichste, ohne mich eigentlich zu kennen‘. Und weil ich an Cawit vorbeifuhr – einem Restaurant in dem ich die ersten langen coolen Gespräche mit Gary hatte, ohne jedoch eine Ahnung davon zu haben, dass ich ihn mal echt gern haben würde.
Ich habe selbstverständlich eine Zielliste, was ich im Praktikum erreichen wollte, und eines meiner Ziele war „Das Leben einiger Menschen zu berühren und einen bleibenden Eindruck hinterlassen“. Und ich bin voller Dankbarkeit, dass ich das geschafft habe. Die Kinder in Dana Mulia haben alle kleine Herzen und Sterne bemalt und ganz süß in Englisch beschriftet – hab ich leider grad nicht hier, werde ich euch in D aber vorlegen. Das staff von Dana Mulia hat sich auch mit einer Karte und einem Geschenk (einer schrecklichen Tasche) bei mir bedankt, ich solle weiterscheinen, es wären ‚fun‘ Methoden gewesen mit denen sie Englisch gelernt hätten, und so ähnlich. In Muhammadiayh (dem ärmeren Waisenhaus) hat mir nur meine Lieblingsschülerin einen Brief geschrieben, sie wünschte ich bliebe, ich wäre ihre beste Lehrerin, und so weiter. Als sie anfing zu weinen beim Abschied, musste ich zwar nicht sofort, aber mit Verzögerung auch weinen. Ich fühle mich so schuldig sie alle in diesem Alptraum zurückzulassen. Und gerade Didah, die mir auf so besondere Art und Weise ihr Herz geschenkt hat, würde ich gerne weiter unterstützen und mit Liebe und Aufmerksamkeit versorgen. Ich kann mir nicht denken, dass sie genug davon bekommt. Ich schreibe dies und mein Herz wird schon wieder schwer.
Naja – schlussendlich habe ich heute Morgen entdeckt, dass die höfliche Aussage auf sämtlich Fragen ich wolle auf jeden Fall wiederkommen, tatsächlich der Wahrheit entspricht. Bloß wird bis dahin wohl nix mehr sein wie es war. Meine Freunde beenden die Uni, die Mädchen im Waisenhaus und auch deren staff ist vermutlich nicht mehr da. Hoffen wir auf das Internet und facebook als Bindeglied!

Donnerstag, 16. April 2009

Indonesia: Exkurs

Friday 17.04.2009

Collection of (disturbing) street experiences

- Creepy woman 1: I was walking from one intersection arm to the next one, feeling that a woman touched my elbow when passing her. Already feeling disturbed and annoyed I kept on walking a few steps then stood at the intersection thinking, which Angkot came from where, would go where and where I would have to hop on. She placed herself on my left side, shorter than me (obviously) maybe 60 years old or something, rambling and rambling in Indonesian. I was already NOT encouraging at all, looking straight ahead in order to concentrate on my thoughts (a bit difficult in that situation) when she simply touched my hair, which was open and therefore lying on my collarbone (had to look that one up too, so putting it in German as well: Schlüsselbein).
Seriously, the only thing you can think of is „Arggh – don’t just touch me!!!“ Such an invasion of privacy!

- Creepy woman 2: passing by me, 30 something years old, looking blatantly at me, saying “hello Miss” and touching my arm with really cold fingers while passing. As if touching me is not creepy enough, I look down on my arm and notice that she left two big ice cream stains on me. I added a picture – with the white spots on my arm. I have no idea what is going on with those people?! She was dressed normally.

- Poor EP: I was having a not so good mood for days, cause it just kept raining and raining, and this day I was especially grumpy, having a headache and a heavy laptop to carry through the rain. So I saw ahead on the “footpath” (as Gary would say) two guys, one Indonesian, one looking a little Japanese already seeming quite interested in me. I just held my umbrella very, very low so I could not even see their faces while passing, thinking only that I could and would not speak to the whole freaking population of Bandung just because they have that urge, when the Japanese-looking-one actually ducked in order to look under my umbrella. I just didn’t move a single muscle in my face, turned that unmoved expression towards him and then straight again, didn’t say a word and kept on marching. I reached the orphanage. 5 min later those two guys came in, telling me the Japanese one was an EP (AIESEC intern) and my future coworker. Gosh - was that embarrassing! I felt incredibly bad and apologized, I guess, 100 times... He doesn’t seem mad though, and I kept explaining it with my headache and the general horrible mood I was in...

- Hey sweetie: I am already accustomed to a lot of “hello”, ”hello, Miss”, ”how are you?”, ”where do you come from” etc. Yesterday though I got a „hey sweetie“! That in itself is already inacceptable but then it was topped by being said from a kind of boyish, thick, teddy-bear-looking-like guy. That kind of macho-sentence from a cliché Spanish guy with lots of hair and testosterone at least makes sense – but from a teddy bear??? The first 4 steps I took I was mad, but then I couldn’t help but grinning. Wonder if that teddy bear doesn’t know the attached connotations to ‘sweetie’ at all, or if he is maybe doing a therapy to find his manlyness and being all macho is like step 3 on a ladder of 10 steps *lol*.

- No, no, no, no, no, no: Completely annoyed in Yogya by all the people offering you bikecaps and never giving up after the first or second time you said „no, thanks“, I tried saying repeatedly “no,no,no,no,no“ in order to shut them up quicker. I thought that way they might get, that I don’t want anything. The person of course first didn’t stop rambling, so I kept saying ‘no’ in the same pace – then he said “no,no,no“ too and laughed, and then he actually said „sorry“! What a success!!

- Prambanan and Borubudur temple: Gary and I were the main attraction there. Who cares about temples from the 9th century when these weird creatures with white skin and blonde and red hair are around? People kept asking us for pictures, and while the ones who had officially asked took their pictures, other people passing by just used the chance and took some too. In the end I simply kept reading my guide, so there should be some pictures in this world of Gary smiling into the camera with them, and me simply reading. I guess I am just not friendly enough. But hey, I am there to have fun, too. In the end even Gary became completely annoyed. I suspect there are definitely 50 pictures of us, though not all taken by different people. When at Borobudur we were only asked twice – I am kind of offended by the lack of interest in our persons ;) Why on earth would they not want pictures with us??Another interesting observation: Gary said he believes all of them asked him (not me), if they could take pictures of us, but he suspects they would have been very disappointed if I had just left the scene (seeing that they hadn’t asked me). This might be a sign of guys still being more important in this country.
[That brings an idea to my mind: maybe next time Gary, just don’t allow them to take pictures of me. Then YOU don’t allow me, instead of me not wanting to. Which reasonable person would wanna share me anyway? You can offer yourself – that way you can make sure if they are disappointed or not about only getting the guy.]

- Checklist: I went out alone and coming back, Gary asked „so- did you get a lot of attention?“. The answer was obviously “Yeah“. The most outstanding experience that day was the sweetie-guy. After having talked about that, he asked “did they say ‘hey beautiful‘?“. The answer again was “yeah“. Isn’t that crazy – you go out for 15 minutes and afterwards you are being asked possible comments you might have received and you can just checkmark every single one of them. So either there is no getting away from necessary statements you have to hear on a Saturday night or Gary just has the right senses.

- Some ‘hello Misters’: sometimes I receive „hello Mister“s – probably out of the lack of knowledge of anything else than that.

- Normal tourist stress: Stressful is also, that even when you already passed, bikecap-people keep asking “8000, yes?”. I can understand that you try selling while a person comes towards you or is next to you, but a person that has already passed? As if it was probable that I, after not reacting, after not saying a word while still facing them, would turn around and gladly say “yes, NOW I want to”!

- Number-guy: the number guy was quite an experience. I was supposed to meet people in a restaurant but didn’t know where exactly it was, only that it was close to BTC, where I was dropped. From there I went alone but soon there were less restaurants and lights and people at the street sides. Then this Indonesian on his motorcycle comes up by my side and talks to me. Usually not up for a conversation with some stranger I did ask him where that restaurant was. He told me I was on the right track and kept talking to me in Indonesian. He offered to take me there on his motorbike three times, which I repeatedly, politely refused. Then he started asking for my number so I was like “why?” He rambled something in Indonesian. And he wanted my number. So I again: “WHY?? Kenapa, kenapa?? Kamu bahasa Indonesia, saya bahasa inggris, so WHY???” (meaning you speak Indonesian, I speak English, so what do you want with my number??). He said “no problem, no problem”. I said “yeah – masala, masala” (meaning: yeah – problem, problem). I repeated the facts and said masala. He kept asking though, until I gave him some fake number, after which he quite immediately drove away…

- Helpful nice guy: to finish though, I want to mention a nice story. I visited Ariane (who lives quite far from my house and I had never been in that area, at least not knowingly) at the other end of the town, and after she explained which Angkots I would have to take to go back, she said at the end of the street I would have to take my first Angkot to the left. I went to the end of the street and waited for an Angkot. Taksis came by and wanted to drive me, Ojek’s did the same – every time I said I waited for Angkot they started talking a lot in Indonesian. After a while I figured that at that time no Angkots drove anymore. Ariane wasn’t going to be able to help me either. But neither did I want to spend the money on the Taksi crossing the complete city. So I tried talking to the Ojek drivers, that they would take me to the next bigger intersection, where I hoped Angkots would still drive. I got out my huge map, tried to tell them that at a specific intersections surely Angkots would go, when two Indonesians (all of them men of course) came up to join the discussion. Somehow they seemed to believe that no Angkots drove anywhere (which is weird, cause I know they drive forever near my house) when one of them offered to take me home. I kept on asking, but soon accepted that offer (sorry for the heart attack I am giving you, Schatz). He was very nice, had a friendly face and smile, spoke English, was in his 40ies I guess, wore a big white T-shirt and was shorter than me. How am I supposed to be afraid of someone smaller than me? Well, he took me home, I am fine and that’s that.
Cause usually Indonesians are very nice about driving you home – I have been driven so many times in this country! And also some of my friends here were shocked about the stories of the creepy women. So they ARE unusual – even in Indonesia!

- Update: Fun street experience: I was running in the morning on the running track. I hadn’t gotten to my usual pace yet and was still running very, very slowly. I slowly caught up with a middle-aged Chinese-descent Indonesian who merely walked instead of running. Yet, when I was about to pass him on his left side, he seemed to decide to stick with me and got a little quicker, so I wouldn’t get rid of him. I was in a good mood, I was running, the sky was blue, I felt good about myself so I thought ‘this can be fun’. I let him run a while with me, then got a tiny little bit quicker. He noticed and had to go quicker too, in order to stay at my side. After a few steps I increased my speed again – he kept walking with me. I got consistently quicker and he determinedly kept up with me, looking down at his feet, very concentrated, moving his arms quickly by his side. Every now and then I couldn’t hide my smile anymore, so I looked left with the biggest grin on my face, and then looked all serious straight forward again. Finally, when it was almost impossible to ‘walk’ at the pace I ran by then, he laughed out loud and said one word in Indonesian, which, unfortunately, I didn’t understand. Then soon I reached up to Gary who was merely walking, and I stopped to walk with him. The Indonesian stopped immediately as well, and then walked freely at a different pace away. This just made it shamelessly obvious that he had been running by my side. When he was some few steps away I just cracked up laughing about the whole experience.
Later I thought about it, and I am quite proud of myself. I don’t think this would have been able between Westerners only, cause Westerners are never subtle. They would have spoken about the thing going on quite early. Or another Westerner with an Asian might not have noticed at all what was going on. Or might have been annoyed. But I kind of communicated with that guy, there was definitely some connection between us, for a very short period of time, and it was so subtle we didn’t need words to confirm it. I am glad I am able to connect this Asian way with Asians – at least in some circumstances (who knows how many of those instances I just missed, cause I would have needed obvious, Western signals).

Appendix: Since I wrote about these experiences, I have talked to quite a lot of Indonesians. I think I got a better understanding of what is going on. It definitely seems, as if for Indonesians taking pictures with foreigners is a positive thing, they like it and they would be glad if you asked them to take pictures with them. They even somehow view it as a compliment and it’s a way of relating. Actually they would be glad if they were in Germany and Germans would be saying ‘hello Miss’ to them and ask them to take pictures [even though highly improbable ;) ]. I will work on getting rid of this “I am not an animal in a zoo”-feeling that I usually have when complete strangers want to take pictures with me. That is just not how it is meant.

Mittwoch, 8. April 2009

Indonesia: hab mich lange nicht gemeldet

Mittwoch 08. April 2009

Kurzes update

Ich fahre morgen früh um 8 Uhr mit Gary – dem Australier – und 12 Indonesiern nach Yogyakarta (die Nachtzüge sind leider schon ausgebucht, die Fahrt wird 8h dauern, für Sonntag gibt’s gar keine Züge mehr – weder tags noch nachts – denn an langen we’s verreist ganz Indonesien). Da sind zwei gaaanz tolle Tempel, ein buddhistischer und ein hinduistischer – die wollen wir uns angucken. Ich fange nämlich schon an hektisch zu werden, da mir das Ende meines Aufenthaltes schon so nahe scheint, und ich irgendwie noch nichts gesehen hab.
Versessen aufs Essen wie ich nunmal bin, hab ich auch schon ne Liste erstellt, was ich vorher alles (noch) einmal essen will ;)

Letzten Samstag war ich mit Denishs Familie beim weißen Vulkan. Das war ein toller Tag, auch wenn der Vulkan selber mal wieder eher so mittelmäßig spannend war. Aber es war eine sehr, sehr schöne Autofahrt, mit angenehm frischer, klarer, kühler Luft bei offenem Fenster, und traumhafter Natur. Siehe Bilder.
Dort wurde ich auch zum ersten Mal von Fremden gebeten, mich mit ihnen fotografieren zu lassen (ist mir in Beijing ja ständig passiert). Erst wollt ich nicht, aber dann taten sie mir doch so Leid, dass ich dachte ‚was solls‘. Blöderweise habe ich mich später mit Gary drüber unterhalten, was solche Leute wohl zu ihren Freunden sagen, wenn sie so ein Foto zeigen. Das hatte ich mir noch nicht so überlegt. Dabei hab ich mich derart unwohl gefühlt dass ich ganz verschämt-entsetzt lachen musste, und nun die nächsten Bittsteller wohl doch abkanzeln muss. (Was in den Menschen mit den Fotos vorgeht, weiß Denish übrigens auch nicht. Sie würde nie auf die Idee verfallen Fremde um ein Foto zu bitten. Komisch.)

Außerdem muss ich mir auch noch was einfallen lassen, um dem ganzen Händegeschüttel zu entgehen. Ständig will mir jeder die Hand schütteln, und ich empfinde die Hände nun einmal nicht als besonders sauber – das heißt ich wasche mir dann ebenfalls ständig die Hände. Auch wird mir beständig, überall, und all the time, „hello Miss“, „how are you, Miss“ und „where do you come from, Miss“ zugerufen. Manchmal wird mir das echt zu viel – ich kann doch nicht mit ganz Bandung reden! Na – zum Ausgleich höre ich wenigstens sehr häufig, wie wunderschön ich bin.

Dass ich, zwei Tage nach meinem letzten Eintrag, die Definition von „Flut“ noch einmal erweitern musste, wegen der Flut in Jakarta, brauche ich wohl nicht erwähnen. Eine interessante Erfahrung auch, wie unberührt die Menschen hier in Bandung sind, während ganz Deutschland Kopf stünde, wenn ein Teil Berlins überschwemmt wäre. Mal wieder lässt sich feststellen: "man gewöhnt sich an alles".

Lustig ists, wenn man sagt, „den Damm, der gebrochen ist, haben die Holländer gebaut“. Tatsache ist, dass die Indonesier ihn nicht ausgebessert haben SEIT die Holländer ich gebaut haben, aber das muss man ja nicht erwähnen ;)

Achja – und dann muss ich hier noch einmal öffentlich und hochoffiziell der Europäische Kommission meine Glückwünsche aussprechen. Wie konservativ auch immer sie sein mag – das mit der Werbung bekommt sie gut hin.
Ernsthaft: in meinem direkten Umfeld sind Denish und ihre Freunde, welche wiederum alle International-Relations-students sind, und alle an ein und demselben Field Trip zur Europäischen Kommission (Vertretung oder was auch immer) in Jakarta teilgenommen haben. Um mich herum schwirren ständig gelbe Rucksäcke mit den europäischen Sternen drauf, hier kleben Aufkleber der europäischen Flagge in Denish’s und Gilangs Zimmer, hier steht ein Kalender mit EU-Logo etc. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie merkwürdig es ist, am anderen Ende der Welt immer wieder auf die EU zu stoßen. Ich muss jedesmal grinsen, aber es ist auch ein gutes Gefühl, also: meinen Glückwunsch! Good job – commission!

Achja Nr. 2: ich hab endlich wenigstens EIN Foto von den Leuten geschossen, die hier immer mit ihren riesen Geräten, in denen sich in 95% der Fälle Essen befindet, die engsten Straßen auf- und abkraxeln um uns ihre Dienste direkt an der Haustür anzubieten. Meist hängen Töpfe und sonstwas an zwei Enden eines langen Stockes und der wird dann so bergauf und bergab getragen. Und wenn dann jemand etwas zu Essen kauft, dann warten sie draußen, bis man fertig ist, und ihnen ihr Geschirr wiedergibt. Und dann gehen sie weiter, manchmal monoton rufend, manchmal unangenehm scheppernd und klappernd um auf sich aufmerksam zu machen.

Jetzt muss ich ganz fürchterbar dringend ins Bett - das mit dem Schlaf kann schon gar nicht mehr reichen, bis morgen um 6.15h!!

Auf Bastiaan wirke ich offensichtlich sehr patriotisch, indem ich bisher immer 'nach Deutschland' oder ähnlich gegrüßt habe, also:

Viele liebe Grüße an euch, meine lieben Freunde, Verwandten und Bekannten!!

Mittwoch, 25. März 2009

Indonesia: Ich lebe noch. Gerade noch so.

25.03.2009, Abends

Oh Gott, oh Gott, oh Gott. Ich weiß ich wiederhole mich hier (siehe erster Eintrag) aber anders kann ich es einfach nicht ausdrücken. Bin noch völlig aufgewühlt und bringe es jetzt, noch ganz akut zu Papier.
Wo soll ich anfangen? ‚Ich werde nie wieder sauber‘? Oder ‚ne Kakerlake saß auf meinem Fuß‘ (ich hab ja kein Theater ob des Wassers und des Drecks gemacht, oder als ich ne Kakerlake gesehen habe, aber als dann später eine auf meinem Fuß krabbelte, da hab ich doch ein bisschen geschrieen!)? Oder ‚ich hab grad ne kleine Flut erlebt‘?
Es war wirklich wie in den Nachrichten von Tsunamis und Überschwemmungen – braune Fluten im Haus, saudreckig, alles schwimmt, Lichter gehen aus wegen Stromausfall!! Ich dachte schon ich muss da übernachten, auf der Straße vorm Waisenhaus stand das Wasser bestimmt brusthoch wenn nicht höher (habs ja nicht getestet) zum Glück geht’s zum Waisenhaus drei/vier größere Stufen hinauf. Dennoch ist deren Erdgeschoß auch ca. 25cm hoch überflutet worden. Hatte echt n bisschen Panik, dass ich da jetzt nen ganzen Tag oder so festsitze. Ohne Essen, ohne Zahnbürste, ohne Schlafzeug, ohne irgendwas. Und natürlich musste ich nach ner Weile dringendst auf Toilette. Die war aber überschwemmt. Ob ich nun in die Toilette mache oder mich irgendwo im Erdgeschoß hinhock und ins Wasser uriniere hätte auch keinen Unterschied gemacht. Bin dann aber irgendwann doch los, um den einzigen Erwachsenen der ein bisschen Englisch mit mir sprechen kann anzusprechen. Der hat mich zuerst mit n paar Mädels losgeschickt. Zu dem Zeitpunkt und an dem Ort war das Wasser ca. knöchelhoch. Als dann der Zugang durch nen Tisch blockiert war (es war ja auch alles glitschig und schon ziemlich dunkel, besonders im Haus) sind sie erstmal zurück um Danny zu holen. Der hat uns dann begleitet und wir sind letztendlich natürlich stumpf auf den Tisch drauf – viel andere Optionen gabs ja auch nicht. Offensichtlich war das Wasser zu dem Zeitpunkt schon wieder am sinken, denn als wir bei den Toiletten ankamen, stand in der größeren das Wasser nurmehr 3-4cm, das heißt das Klo ragte weitere 3-4 cm aus dem Wasser heraus. Ich habe mir irgendwie mit dem Handy geleuchtet.
Bald danach war das Wasser schon so weit weg, dass sie anfingen das Wasser und den gesamten Schlamm rauszufegen, auch wenn es immernoch die Straße brusthoch füllte und auch die Stufen zum Waisenhaus hinauf. Die armen Menschen haben sich mehrfach bei mir entschuldigt, als hätten sie höchstpersönlich den Fluss in der Nähe zum überlaufen gebracht. Son Kram ist offensichtlich das letzte Mal vor einem Jahr passiert. Und es scheint auch nur wenige Häuser betroffen zu haben. Bandung ist ja recht hügelig, liegt selber ja auch sehr hoch und als wir endlich raus konnten sind wir bloß 20m die Straße entlang, die an sich schon ordentlich ansteigt, und auf der breiteren Querstraße wo deren Auto geparkt war, war kein Hauch Schlamm zu finden. Es kann echt nur ne kleine Fläche betroffen gewesen sein. Als ich nach Hause kam wurde ich mit großen Augen begrüßt, was mit meinen Füßen passiert sei.
Ich hab übrigens das Bild von Deutschland und den Deutschen in den Herzen von ca. 30-40 Menschen unglaublich zum Positiven verändert, durch meine fleißige Mithilfe. Ich finde damit hab ich ganz schön was geleistet! Hoffentlich mehr, als manch anderer Deutsche im Urlaub verbrochen hat. Dummerweise hatte ich meine Kamera natürlich nicht dabei. Muss mal sehen ob man irgendwas auf den Handyfotos erkennen kann.
Als das Wasser komplett weg war (nach ca. 2 h) mussten wir dann die besagten 3 Stufen hinunter – die 20-30cm hoch mit Schlamm bedeckt waren. Aber da muss man dann halt durch.
Trotzdem könnt ihr vielleicht nachvollziehen, warum ich immernoch nicht ganz runtergekommen bin. Es ist jetzt 23h, um 22h bin ich nach Haus gekommen und um circa 17.45h haben die Mädels mich schon auf die Flut auf der Straße hingewiesen – da hab ich die Tragweite bloß überhaupt noch nicht erkannt. Ich hab so ungefähr gesagt 'wow – interessant' – und dann weiterunterrichtet. Grins.
Ich habe meine Beine und Füße dreimal eingeseift und auch sonst den ganzen Körper – dennoch fühle ich mich nicht sauber, und sowohl meine Finger- als auch Fußnägel sind es auch ganz offensichtlich nicht. Um den Dreck aus den Ritzen hervorzuholen muss ich entweder 30 min schrubben oder am besten 30 min im Bad einweichen. Aber Badewanne gibt’s ja bekanntlich nicht (wär ja auch krass – so ohne warmes Wasser). Ich guck jetzt erstmal nen Film und ess was Süßes um von meinem Ekel und Entsetzen loszukommen, und morgen schaun wir weiter.

Gute Nacht ins deutsche Paradies!

PS: Lese gerade meinen letzten Eintrag. Niedlich, dass ich das Wort "Überschwemmung" für die fetten Regenpfützen in meinem Zimmer und den komplett mit durchsichtigem Regenwasser überfluteten Küchen/Gemeinschaftsraum benutzt hab.
Have been put into perspective somehow. Wonder why?

PPS: Ich habe gerade meiner Lieblingsschülerin, und damit auch der einzigen, deren Handynummer ich hab, ne sms geschrieben, wie es ihr und den anderen Mädchen geht, ob sie okay sind und dass ich hoffe, dass nicht ihre wichtigsten Dinge nass und somit unbrauchbar geworden sind.
Hier ihre original Antwort: Yes thanks miss,i am ok but i feel sh0ck, and i feel upset because all my b0ok g0ne,,i d0n't kn0w what i must d0ing..Miss n0t yet sleep?Why?
Wenn euch dabei auch irgendwie das Herz bricht, schreibt mir, ob ihr ne klitzekleine Spende machen wollt. Ich stelle mir so mehrere Personen mit jeweils 2-5 Euro vor. Für 5,50 kann ich hier ein Englisch-Indonesisches Wörterbuch kaufen. Wenn mehrere so einen lächerlichen Betrag wie 3 Euro geben, kann ich hier bestimmt ganz konkret was für die Mädchen aus dem ärmeren Waisenhaus tun. Ich werde das Geld dann wenn ich wieder in D bin bei euch eintreiben ;)

Sonntag, 22. März 2009

Indonesia: besser arm ab als arm dran...

22.03.2009

Mannomann – gibt es viel zu erzählen! Ich komm grad wieder aus Jakarta, bin allein zu Haus, und das Haus ist quasi überschwemmt – also wohl doch nicht so ganz dicht bei Regen… bin schon am pressen von meinen wichtigeren Papieren die nass geworden sind.

Aber zum Wochenende: ganz nach indonesischer Manier war der Plan zuerst, von Fr bis So nach Jakarta zu fahren, dann wurde der Termin auf Sa bis Mo verschoben, und Fr früh um 09.30h spontan auf Abfahrt am Bahnhof am selben Tag um 10.30h festgelegt. Die Zugfahrt (habe mir eine Zugfahrt gewünscht – da man das Land so schön sehen können soll) war in der Tat fantastisch. Habe erst einmal eine halbe Stunde klaren blauen Himmel mit Schäfchenwolken, Sonnenschein und üppige Vegetation, Reisfelder und Berge aufgesogen. Die nächste halbe Stunde habe ich das alles 1000 Mal fotografiert (Fotos folgen also – muss ersteinmal sortieren) und dann wieder nur geschaut. Das alles mit Elton Johns Melodien im Ohr – die äußerst unterstützend waren bei dem Gefühl mein Herz öffnet sich – so weit, dass es fast weh tut, dass es nicht mehr weiter geht! Schon jetzt lässt sich das Gefühl nicht mehr ganz fassen – keine Ahnung also, ob ihr das versteht oder auch jemals habt. Häufig ist so etwas sicherlich nicht. Zwischendurch kam auch tiefe Traurigkeit ob der armen Kreaturen, die auf den Reisfeldern arbeiteten. Kurz nachdem ich für ein paar Sekunden das Gefühl hatte „hier ist die Welt noch in Ordnung“ eben wegen oben beschriebener Szenerie. Dann dachte ich daran wie wenig sie in Ordnung ist, welche Knochenarbeit bei der Hitze auf dem Feld betrieben wird, wie riesig gerade in Indonesien die Unterschiede zwischen arm und reich sind.

Das war überhaupt das große Thema für mich an diesem Wochenende: the social gap! Ich habe Denish gefragt, wenn sie sich die finanzielle Situation der gesamten indonesischen Gesellschaft vorstellt, und alle zwischen 1 und 100 einzuordnen wären, wo sie sich bzw. ihre Familie platzieren würde (übrigens immer wieder anzumerken, was für ein riesen Glück ich mit Denish habe, sie so etwas fragen zu können. Die Mehrheit der Indonesier – höre ich immer wieder – ist überhaupt nicht für ernsthafte Gespräche zu haben und nicht annähernd so offen wie meine Denish). Sie meinte sich bei 50. Reisfeldarbeiter wären dann bei unter 10 oder so. Bettler stehen für 1. Und Gilang bei 75. In der Tat sieht man riesen Unterschiede zwischen Denishs und Gilangs Haus. Deren Autos wiederrum sind vom gleichen Standard. Später habe ich auch Gilang befragt, sie hat sich selber bei 70 und Denish bei 60 platziert. Ich denke da sagen Bilder mehr als tausend Worte – schaut sie euch einfach an. Großer Schock war zuerst einmal das Bett in Denishs Haus wo deren ‚maid‘ schläft. Die ist um die 18. Womit haben ich und Denish das verdient, zu studieren, eine Zukunft vor uns zu haben, wenn dieses jüngere Mädchen nur für andere putzt und kocht??
Denish meint, ihre Eltern seien gute Arbeitgeber – gäben nicht nur den Mindestlohn und sie hätte auch frei. Es wäre ein Job wie viele andere. Letztendlich hat sie wohl recht – zumal mein (spontanes) Entsetzen/Mitgefühl/meine Beschämung sich z.B. nie so sehr auf die Menschen gerichtet hat, die tagtäglich Essen an der Straße verkaufen. Das muss auch zum Kotzen sein, mit den paar Gerätschaften, bei der Hitze und mit dem Transport der schweren Dinge. Ich hab mich also schon wieder beruhigt – und doch waren die Unterschiede um so vieles sichtbarer, dass ich mich frage warum um alles in der Welt der Unterschied zwischen arm und reich ein Thema in Deutschland ist. Deutschland ist das Paradies auf Erden!!

Weiterhin ist mir nicht ganz klar, womit manche Dienstmädchen beschäftigt werden. Bei Denishs Eltern ist mir das völlig klar, denn dort gibt es weder Waschmaschine noch Geschirrspüler, es muss gewaschen, gekocht, geputzt werden und außerdem hilft das Dienstmädchen auch in dem Restaurant der Eltern mit. Also dachte ich „klar – wo man nicht so viele Hilfsmittel hat wie in Deutschland, da muss man Leute beschäftigen, sonst kann man seine Arbeit ja nicht tun“. Gilang (ihre Eltern haben kein Restaurant) behauptet nun aber, sie hätten eine Waschmaschine (nach Staubsauger hab ich nicht gefragt) – hauptsächlich koche ihr Dienstmädchen. Die muss ja n schönes Leben haben?!?

Also ich kann so einen richtigen Entwicklungsland-Aufenthalt nur empfehlen, wenn man mal seine Perspektiven zurechtrücken möchte. Lange war ich nicht so von Dank erfüllt. Ich meine: letztendlich hat jeder Hartz IV-Empfänger die gleiche Dusche wie deutsche „Großverdiener“, wie du und ich, aus der mit ordentlichem Strahl warmes (!) Wasser kommt. Denishs Bad könnt ihr ja auf den Bildern sehen, und während Gilangs Familie so einen Luxus wie warmes Wasser besitzt, tröpfelt es derart aus der Brause, dass ich doch die indonesische Art, des Wasser-schöpfens-und-über-mich-gießens gewählt hab. Ich merke wie ich schon wieder schlucke bei diesem Gefühl von Ungerechtigkeit.

Und wo wir beim Thema Entwicklungsland sind: ich wollte euch immernoch erzählen, wann ich zuvor am meisten das Gefühl bekam in einem zu sein. Und zwar dann, wenn ich die kleinen Feuer überall sehe, mit denen der überflüssige Müll verbrannt wird. Und die größere offiziellere Müllverbrennung? Ein komischer Bunker aus dessen Fensterloch es ordentlich stinkig qualmt – auch bloß Feuer. Vermutlich weiß man, dass Entwicklungsländer weder Müll trennen noch irgendwelche Systeme zum säubern des Qualms oder entsorgen der Reste haben – und doch, das so zu sehen - es bricht mir das Herz wenn ich an die Natur denke.

Ansonsten wieder die gleiche Feststellung: man gewöhnt sich an alles. Während ich Denishs kleines Haus in Jakarta zu Beginn meines Aufenthaltes noch entsetzlich gefunden hätte, war es jetzt für die 2 Tage vollkommen okay. Gut zu wissen, das alles irgendwann okay ist. Und jetzt bin ich back in meiner undichten Luxusbude *lach*.

Und große Freude über die Gastfreundschaft von Denishs Familie. Auch wenn ich immernoch kein Indonesisch spreche. „Danke“ und „wie geht’s“ und „Hühnchen, Rind, Ente, Nudeln, Reis“ sind einfach nicht genug ;)
Ich habe wieder einmal einen von vielen Schritten in die ‚Stretchzone‘ getan und Denishs Eltern auf indonesische (oder muslimische??) Art und Weise begrüßt – das haben sie offensichtlich außerordentlich gewürdigt. So begrüßt man nur ältere und zollt ihnen somit Respekt – indem man ihre Hand nimmt und an seinen Kopf hält. Sie haben mir mein Rückfahrticket mit dem Bus unbedingt kaufen wollen, was mich als Zeichen, dass sie mir was Gutes tun wollen, sehr, sehr glücklich macht. Juchee – es ist schön, wenn man gemocht wird.

Achja – und ich war beim Frisör. Mein Gott, was muss ich eitel sein, denn mein Magen war ja sowas von verkrampft, dass die Scheiße bauen, der hat sich erst Minuten nachdem wir raus waren aus dem Frisörsalon, langsam entspannt. Also: Selbsterkenntnisse ohne Ende. Auch deshalb zieht es mich ins Ausland mein Schatz. Nirgendwo lernt man so viel so schnell. Glaube ich zumindest. Haare sind prima – für ca. 5 Euro!
Kurze Mitteilung an Tuphong: Gewaschen wurden die Haare mit kaltem Wasser. Nachdem mir anfänglich ein kleiner Schreckensruf über die Lippen kam, ist es danach wohl kaum wärmer geworden, was bedeutet: ich habe mich schnellstens dran gewöhnt. Vielleicht geht das mit dem kalten Wasser ja doch??

Ansonsten bin ich heilfroh Bandung gewählt zu haben, denn Jakarta ist scheißheiß (man kann es nicht anders sagen). Täglich über 30 Grad – nee nee.

Mit der Arbeit bleibt es jetzt so, dass mich die AIESECer, wenn es ihnen möglich ist, fahren. Ich habe Suryo, den Hauptverantwortlichen, mehrmals gefragt, ob das okay sei, (denn ich würde das ja auch nicht machen wollen) und er blieb dabei. Für den Fall, dass sie nicht könnten, hat er mir mittlerweile mitgeteilt, würde mich jemand des Dana Mulia Waisenhauses gerne fahren – sie hätten das Gefühl so viel durch mich zu profitieren, das sie gerne etwas zurückgeben wollten.

Zu meiner Arbeit dann demnächst endlich mehr.

Viele liebe Grüße nach Deutschland – und wenn ihr das nächste Mal deutsch duscht, denkt an mich -sowie an den puren Luxus, den ihr in dem Moment genießt! Hach – ich freu mich jetzt schon drauf – wer hätte gedacht, dass ich so gerne dusche??

Sonntag, 15. März 2009

Indonesia: Getränke und so

15.03.2009

Das Essen ist ja lecker – aber was trinken die Indonesier süß!!! Und sowohl beim Eistee (gesüßter kalter schwarzer Tee) als auch beim Kaffee, ist das, was ich als sehr süß empfinde, für die Indonesier noch gar nichts. Den Tee mag ich so echt gar nicht trinken, und beim Kaffee geht es, aber nur, weil ich auch in D ja nicht gerne Kaffee sondern Milchkaffee, Latte Macchiato, etc. trinke, also auch eher süß…

Und das mit dem fröhlich Essen ausprobieren muss ich jetzt einschränken – ich hatte nämlich nun doch meine erste fürchterliche Durchfallerkrankung mit schrecklichen Magenkrämpfen, Schwäche, Kälte, Fieber, etc… Ich bin dann gleich ins Krankenhaus, weil mir klar war, dass das nicht ohne Medikamente besser wird, und bin mit 4erlei Tabletten nach Hause gekommen. Am nächsten Tag wars schon weg – bloß die Antibiotika nehme ich noch – die soll man ja immer aufbrauchen (falls irgendjemand Bewandertes mir sagen möchte wozu ich bloß Antibiotika bei einer solchen Erkrankung brauche, nur zu!). Dafür hält meine parallele Erkältung leider länger an.

Und noch eine lustige Beobachtung: hier lachen die Mädchen häufig über meine kleinen Scherze. Ich bin aber der Meinung, dass ich diese Art Scherze eigentlich auch in Deutsch mache – es lacht bloß keiner. Eine sehr lustige Feststellung für mich. Hier gibt’s große Heiterkeit, wenn ich (während wir im Krankenhaus warten und ich wirklich leide) sage ich werde sterben. Oder wenn wir bei Regen rausmüssen und natürlich den Regenschirm vergessen haben und ich vorschlage Plastiktüten über den Kopf zu ziehen, und zwei Augenlöcher reinzuschneiden. Oder einfach Dinge ein bisschen übertrieben darstelle. Schade – irgendwie wollen mir keine Beispiele einfallen, die ich in Deutsch genauso gesagt hätte wie hier auf Englisch.

Mit der Arbeit ist es jetzt soweit geklärt, dass ich theoretisch Mo, Mi und Fr, jeweils von 1-4 in dem christlichen Waisenhaus Dana Mulia arbeite, und von 4-6 an meinem Original-Arbeitsplatz Muhammadyah-orphanage. Di bin ich dann nur in Dana Mulia und Do nur in Muhammadyah – jeweils 3 bzw. 2 h. Das Problem ist bloß, dass der Weg im Angkot, zwischen beiden Waisenhäusern 1 Stunde dauert. Und ich bin nicht bereit, für die 5h Arbeit, die sich durch die Fahrzeit auf 4 reduzieren, insgesamt 2 h zu fahren (jeweils hin und zurück noch 30min). Jetzt werden wir testen, wie es ist, wenn mich die AIESECER immer mit dem Motorrad oder Auto bringen. Allerdings bin ich von der indonesischen Verlässlichkeit nicht sehr überzeugt, zumal Regen ein Grund für ne Absage ist, im Motorrad-Fall. Ich habe gerade eine sehr lange Nachricht an die zwei Verantwortlichen geschrieben, dass ich ihr Angebot gerne annehme, mit Ausnahme der Tage, an denen sie mich im Angkot begleiten wollen. Keine Ahnung ob man den Waisenhäusern aufschwatzen kann, sich drauf einzustellen, dass ich bei Regen häufiger nicht komme, oder ob ich mir hier in meiner Umgebung einfach selber um Arbeit kümmer, aber diese Jobsache ist echt frustrierend. Die denken, ich erwarte voll viel, und ich denke „klar ist es super-nervig mich ständig irgendwo hinzukutschieren – aber ich selber wäre nie in einem solchen Dilemma, weil die Praktika die ich besorgen würde genau SO wären, wie ich sie beschreibe“… Ich erwarte ja nicht, dass sie mich fahren, ich erwarte bloß irgendeinen Job, der dem, weswegen ich hergekommen bin entfernt ähnlich ist, und der prozentual mehr als die Hälfte der Zeit wirkliche Arbeit und Lernerfahrung bedeutet, und nicht Fahrzeit.

Achja, Denish findet ich sei „pretty --– for a foreigner“. Praktisch, dass die Menschen da so unterschiedliche Schönheitsvorstellungen haben. Sonst gäbe es ja für wahnsinnig viele Menschen keine Partner (quasi alle die ich okay finde, findet Denish inakzeptabel und andersherum).

Viele Grüße in das geliebte, verantwortungsbewusste, verlässliche Deutschland!!

PS: Es ist jedes Mal wieder die gleiche und jedes Mal wieder eine unerwartete Erfahrung oder "Begleiterscheinung", dass ich so fürchterbar oder wunderbar deutsch bin. Wenn ich ins Ausland gehe, dann denke ich an die fremde Kultur, an neue Erfahrungen, an alles, bloß nicht daran, auch Deutschland jeses Mal mehr schätzen und lieben zu lernen. Man merkt halt immer erst was man hat, wenn man es verliert (oder zeitweise nicht mehr hat). Und während ich an mir arbeite, mich für andere Kulturen zu öffnen, noch toleranter zu werden und NICHT zu beurteilen, werde ich auch gleichzeitig immer gefestigter in meinen eigenen (doch recht deutschen) Werten. Ich finde dennoch, dass das ne 'gute' Begleiterscheinung ist! Schließlich: wer fesst verwurzelt ist, kann auch nach den Sternen greifen!

Sonntag, 8. März 2009

Indonesia: short update

Datum 08.03.

Hallo ihr Lieben

Wollt nur kurz sagen: gestern wollte Suryo mich um 11h abholen, gekommen ist er um 13h, und um 16h waren dann fast alle Praktikanten plus zwei indonesische AIESECer auf einem Vulkan. Der Krater war, wie ich fand, nicht sonderlich spannend, aber dann sind wir ein kurzes Stück durch den Regenwald gegangen und haben freilebende Affen sich von Baum-zu-Baum-hangeln gesehen. Das war cool!

Ich fühle mich mittlerweile immer wohler und bin täglich dankbar für die freundliche Aufnahme von Denish und ihren Freunden – ich mag sie alle total gern.

Ich probiere weiter fröhlich verschiedene Gerichte aus, und während dieses Ding, das nur zum Mitnehmen an der Straße verkauft wird, in einem Bananenblatt und einer Plastiktüte transportiert wird, und dessen Namen ich leider nicht erinner 2-3 Tage auf Platz eins stand, wechselte ich vorgestern mein Lieblingsgericht (Namen weiß ich leider auch nicht) und heute schon wieder. Jetzt heißt es Dadar Ayam (Nummer 4). Hmmm – lecker!! (Bilder folgen)

Achja – da ich von Daniel um einen Eindruck der Straßen hier gebeten wurde, lade ich gerade drei Bilder von Ciumbuleuit hoch – der Hauptstraße, von der kleine Gassen abgehen, die zu Denishs Haus führen, die man aber auch als eigene Adresse angibt. Eins davon zeigt einen typischen, ekeligen Müllhaufen am Rand, der Straße. Möchte sie aber auch nochmal bei strahlend blauem Himmel aufnehmen…

So, das Bett (in diesem Fall der Boden) ruft!
Winke, winke nach Deutsche Land

Donnerstag, 5. März 2009

Indonesia: 1st day of work - yeah

Datum 05.03.

Hallo ihr Lieben

Gerade komme ich von meinem ersten richtigen Arbeitstag. Erschöpft aber glücklich!! ;)

Gerade am ersten Tag, an dem ich Angkot alleine benutzen muss, und leider vorher nicht mehr zusammen mit jemandem die Strecke testen konnte, regnet es natürlich wie aus Kübeln. Ein kleiner Gruß aus der Regenzeit (zur Zeit befinden wir uns ja in der „transition period“ – was, denke ich, die perfekte Zeit für mich war, herzukommen, denn in der vollen Trockenzeit müsste ich ja eingehen wie ne Primel im Backofen, bei der Standardkuchenbacktemperatur ;) [ihr seht: ich bin zu Scherzen aufgelegt]). Die Orte, an denen sich in D Fußwege befinden, verwandeln sich in reißende Bäche, und mannomann sind Flipflops glitschig. Aber richtige Schuhe anziehen wär noch bescheuerter – die werden ja tagelang nicht mehr trocken!
Heut mittag um 14h hats angefangen und bisher (18.30h) auch nicht wieder aufgehört. Habe vorhin versucht ein bisschen den Regen auf Fotos einzufangen, tue davon dann auch welche in mein Album.

Die Kinder sind sehr süß – muss demnächst unbedingt ein paar Fotos machen um sie euch zeigen zu können. Heute war ich aber voll beschäftigt. Die älteste war 18 Jahre die jüngste, die auch zuhören konnte, vermutlich 7-8. Können 7-8jährige in D eigentlich schon die Uhr lesen??? Hab ja keinen Schimmer! Muss grad ein wenig über mich selber lachen.

Naja – angefangen haben wir mit ner kurzen Wiederholung, von dem, was wir bei dem spontanen Unterricht nach der Vorstellungsrunde gemacht haben. Das heißt, ich hab nach Farben gefragt, und sie haben dann auf Gegenstände in der selbigen gezeigt. Dann haben wir die Zahlen 1-10 aufgeschrieben und ich habe beispielsweise 2 Treppen (Vokabel vom ersten Treffen) aufgemalt und sie haben dann gesagt, was das ist. Dann hab ich nen Körper aufgemalt und jegliche Körperteile benannt. Dann konnte ich zum Glück die 18jährige nach vorne bitten, und dann hab ich halt jeweils auf ihre Ellenbogen, Beine und Augen gezeigt, und gesagt „these are her eyes“, „this is her leg“, etc. Dann musste sie auf meine Position und am nächsten Mädchen ein paar Körperteile zeigen. Zuerst haben die sich gewunden und totgelacht, alles auf einmal, aber dann gings, der Reihe nach. Währenddessen konnte ich dann immer wieder auf den Unterschied zwischen ‚this is‘ und ‚these are‘ und dann bitte mit einem s am Ende hinweisen… Ich denke ein bisschen haben sie durch diese andauernde Wiederholung schon gelernt. Und dann hab ich ein paar Körperteile nochmal in verschiedener Anzahl angemalt, dann konnten sie üben „this is one foot“ und „these are seven fingers“ mit s am Ende. Bei diesen beiden Dingen bin ich mir echt sicher, dass das effektiv war. Danach hab ich allerdings die Zeit anzugeben gemacht (wollte nämlich selber grad wissen wie spät es ist) da hat die Älteste eigentlich die komplette Zeit den anderen vorsagen müssen. Aber wer weiß – ich hoffe ja doch, dass sie sich das evtl. nachher auf Indonesisch erklären, und auf Dauer doch lernen.

Fällt euch eigentlich ein Kinderlied oder etwas geeignetes zum Singen auf Englisch ein?

Ich freue mich schon drauf, wenn sie gar keine Hemmungen mehr haben und alle fröhlich mitreden!!

Denish ist seit heute bis Di Abend bei ihren Eltern und ich bin zuerst mit Tami und Tari und Gilang allein zu Haus, die hauen aber morgen auch alle nacheinander ab. Morgen arbeite ich nochmal, und Sa gucken sich wohl irgendwie (hab noch keine genaue Info, und es dauert sicher auch, bis ich sie krieg, wenn ich sie überhaupt krieg) alle Praktikanten hier einen Vulkan an. Da will ich dann dabei sein. Ob ich danach für Sa und Mo Denish in Jakarta besuche, (Mo ist hier anscheinend Feiertag, obwohl ich vermutlich auch ins Waisenhaus gehen könnte, ich glaub die sind da seheeer flexibel) oder hier bleibe und mich mit anderen Leuten verabrede und vielleicht mal shoppen gehe weiß ich noch nicht. Brauch ja noch unbedingt nen Kostüm oder sowas…

Hab das grad zum ersten Mal ausgerechnet, und bin etwas baff: ich zahle hier für sms nur 1 cent!!

Und was ich auch noch nicht erzählt habe, das ist diese wunderbare Quäkerei, die man hier 5 Mal am Tag hören kann. Der gute Moslem betet ja 5 Mal am Tag, und damit er die Zeitspannen dafür nicht vergisst, hört man halt öfter mal sonen quäkigen Gesang, den ersten um 4.30h in der Frühe, gerade eben gings wieder los, deswegen denk ich grad dran. Ich habe meine lieben Mädels hier schon aufgezogen, dass sie, WENN das schon sein muss, wenigstens was hübsches aufnehmen/singen könnten um alle Welt zu stören ;) werd gleich mal fragen müssen, ob da wirklich jemand quäkt, oder ob das ne Band ist.
[Nachtrag vom 06.03.: ich habe gefragt, und die eigentliche Aufforderung zum Beten ist ein Mann und ein Mikrophon - jedes Mal. Und zwar geht halt einer mit nem Mikrophon vor die Moschee. Da hier aber überall kleine Moscheen versteckt sind, hat glaube ich jeder was von dem Geräusch. Es läuft aber auch häufiger vor der Beten-quäkerei ein fast genauso quäkiger Gesang vom Band ab. Die Antwort ist also: beides!]

So - jetzt geh ich Abendbrot essen,
viele liebe Grüße nach Germania
Eure Elisa

PS: ich habe 20 Mückenstiche!!

Indonesia: work - nothing works ;)

03.03.

Nachtrag, was meine Arbeit betrifft: Mit der Arbeit hat es erst gar nicht geklappt, aber das wird schon noch. Gestern (Mo) habe ich die Kinder erstmal kennengelernt, und sollte dann gleich spontan anfangen. Das war ganz schön schockend. Zumal die nicht so aktiv waren, wie ich mir das erwünscht hatte, so dass sie, wenn ich stairs sage, ihnen stairs zeige und sie anlächel und mit Gesten auffordere stairs zu sagen, fröhlich lächeln und stumm wie die Fische bleiben… puhhh